Donnerstag, 27. Dezember 2012

Merrill Replica ES Turntable ES-R1

Schaut man sich nach einem kompletten Plattenspieler in der (attraktiven) Klasse zwischen 1.000 und 1.500 € um, fallen mir persönlich zunächst der REGA RP6 und der Funk Firm Little Super Deck ein. Und dann...?! Na gut, es gibt - je nach Gusto - sicher noch den einen oder anderen Dreher in dieser Klasse. Aber mir persönlich gefällt der neue Merrill Replica ES Turntable ES-R1, der sich neuerdings hier hinzu gesellt, zumindest auf den ersten Blick supergut - mal nicht so glattgebügelt, sondern mit eigenständigem Design:
  
 
Das Laufwerk allein kostet 995 US$, mit Jelco SA-250 Arm und Ortofon 2M Red werden 1.595 US$ aufgerufen. Ob es einen Vertrieb für Deutschland gibt, kann ich leider nicht sagen. Alle Interessierten lesen hier für alle weiteren Details und etwaige Lieferanfragen weiter.
 
 
 

Montag, 24. Dezember 2012

2A3 NOS Röhren - aktuelle Marktsituation

Jetzt gegen Jahresende war es wieder Mal an der Zeit (besser: habe ich endlich einmal Zeit gefunden), den Markt zu sondieren. Wie steht´s aktuell um das Angebot an 2A3 NOS Röhren? Um es kurz zu machen: bescheiden. Ich habe viele mir bekannte Röhrenhändler kontaktiert; nahezu alle Quellen drohen in Kürze auszutrocknen... Viele "meiner" Dealer verfügen inzwischen nur noch über wenige "Standard-Röhren" wie RCA 2A3 Grey Plates oder z.B. 2A3 Canadian Marconi (immerhin Black Plates). Single Plates (Mono Plates) oder 2A3H sind ja seit langer Zeit ohnehin so gut wie unauffindbar (außer hin und wieder auf ebay zu entsprechenden Preisen und oft in zweifelhaftem Zustand). Aber inzwischen gibt es nicht einmal mehr Dual-Monoplates oder Doppelkastenanoden: "Sorry, Carsten, out of stock". Fivre? Fehlanzeige. Traurig, traurig... wohl dem, der sich in den letzten Jahren ausreichend eingedeckt hat.
 
Allerdings gibt es einige Dealer im asiatischen Raum, die immer noch über bemerkenswerte Bestände "amtlicher" 2A3 verfügen und dafür selbstredend mehr als gepfefferte Preise aufrufen. Beispiel: In einem Shop fand ich folgende tolle Ken-Rad JAN-CKR-2A3 (VT-95) Doppelkastenanode von 1945, leider unbepreist. Auf meine freundliche Anfrage erhielt ich eine ebenso freundliche Antwort (Asiaten sind immer sehr höflich), die ich auszugsweise zitieren möchte:
 
"Hi! thanks for your enquiry!
Ken-Rad 2A3 Black Glass in NOS with original box, same codes and batch made in 1945 @US$795 per matched pair."
 
 
Natürlich zuzüglich Versand sowie hinzuzurechnendem Zoll - in Summe landet man so bei ca. 750 €. Auch wenn einem das wahnsinnig überteuert vorkommt (denn das ist es), Freaks werden solche Preise in wenigen Jahren bereit sein zu zahlen.
 
Mehr Glück hatte ich bei einem altbekannten Dealer in den USA, der mir (aus alter Verbundenheit? Weil Weihnachten ist?) folgendes Pärchen Dual-Monoplates von Raytheon (!) zu einem echten Freundschaftspreis überlassen hat und sie mir nach dem weihnachtlichen "shipping traffic" zusenden wird:
 
  
Womöglich handelt es sich um Sylvania-Produktion; das werde ich herausfinden, sobald ich sie in Händen halte. Ich werde berichten, stay tuned.
 
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Fröhliche Weihnachten!

Sonntag, 9. Dezember 2012

Update: Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida

Vor etwas über einem Jahr hatte ich erstmals eine feine, komfortable Lösung zum Brummabgleich bei der Sun Audio Uchida von Analog Tube Audio vorgestellt - für Tube-Roller ein unverzichtbares Feature. Für den Brummabgleich muss nun nicht mehr umständlich das Bodenblech entfernt werden, wie ich es hier beschrieben habe. Mittlerweile rüstet Robert Graetke auf Kundenwunsch so gut wie alle neu von ihm aufgebauten Uchida-Kits damit aus. So sehen die auch für bereits fertig aufgebaute Uchidas nachrüstbaren Bauteile aus:
 
  
 
  

Montag, 3. Dezember 2012

Expect the unexpected II - wo es noch ein paar 6L6GC gibt

Es muss ja nicht immer eine Triode sein, auch die Beam Power Tetrode 6L6GC ist - vor allem als Triode beschaltet - klanglich sehr ernst zu nehmen. Hier hatte ich schon einmal über meine eigenen Erfahrungen berichtet, was die schwierige Suche nach dieser Röhre als NOS betrifft. Der Grund: Auch "Gitarreros" sind ziemlich scharf auf alte NOS-Teile, was leider die Verfügbarkeit verringert und die Preise in die Höhe treibt.
 
Ein kleiner Tipp für all diejenigen, die für ihren Amp noch etwas Nachschub suchen: Good Tubes For Better Sounds (GTFBS) hat noch eine ziemlich große Auswahl, sogar etliche RCA Black Plates sind dabei. Aus persönlicher Erfahrung kann ich nur Bestes über den Service von GTFBS berichten. Hier einige aktuell angebotene 6L6GC:
 
 
 
 
 

Dienstag, 27. November 2012

Gimmick: Adventskalender Radiobausatz

Ja, ja, meine Lieben denken halt immer an mich (und meine Figur): Nun habe ich anstatt eines Schokoladen-Adventskalenders einen Radiobausatz bekommen. Viel besser als Schokolade! Zumal Schoko-Adventskalender heuer ja sogar in dem Ruf stehen, dass die Schokolade mit aromatischen Mineralölen belastet sei - zumindest behauptet die Stiftung Warentest das.
 
 
Also lieber leicht verdaulicher Bastelspaß in 24 Schritten bis zum fertigen Ergebnis am Heiligen Abend. Eine wirklich witzige Idee - ich wusste bis dato tatsächlich nicht, dass es so etwas gibt.

 
Natürlich konnte ich nicht anders, als schon einmal heimlich die "1" zu öffnen und das Objekt meiner Begierde - das Chassis - herauszupulen. Da haben wir das Prachtstück: ca. 4 cm Durchmesser (Mitte Sicke - Mitte Sicke), 8 Ohm, Vollbereichsbreitbänder - was will man mehr, und wer wird da schon AlNiCo, schmale Korbstege & Co. verlangen?!


Das Ganze soll ohne Löten abgehen und wäre damit also auch für Fünfdäumlinge geeignet. Nur allzu dicke Wurstfinger sollte man nicht haben. Weihnachten gibt´s das fertige Ergebnis. Und dank umfassender, erstklassig gemachter Anleitung kann auch ein Elektronik-Nerd kaum noch etwas falsch machen - stay tuned!

Samstag, 24. November 2012

Perla Musica Phono-Pre von bFly-audio jetzt als SE-Version

Der von mir im Mai/Juni (vgl. hier und hier) vorgestellte Phono-Vorverstärker Perla Musica von bFly-audio wurde durch kleine Modifikationen optimiert. Sowohl durch eine verfeinerte Entkopplung/Dämpfung (Platinen und Gehäuse) als auch durch Verwendung noch hochwertigerer Bauteile in einigen Bereichen kommt sie nun zusätzlich zu den Ursprungsversionen der MM- und MC-Varianten als "SE"-Version (Special Edition) daher. Die "SE" spiele nun noch einen Tick dynamischer.
  
Das Bemerkenswerte dabei ist allerdings die neue Preisgestaltung. Die "SE"-Versionen gibt es zum (alten) Preis der ursprünglichen Versionen, diese wiederum wurden im Preis deutlich gesenkt:
   
Perla Musica MC "SE" - 3.550 €
Perla Musica MM "SE" - 2.950 €
Perla Muscia MC        - 2.550 €
Perla Muscia MM        - 1.950 €
 
Gehäusequalität, Aufwand beim Netzteil, Bauteilequalitäten und nicht zuletzt der vorzügliche Klang (für nunmehr 1.950 € in der von mir damals getesteten MM-Version!) erscheinen mir jedenfalls überaus attraktiv. Die "SE"-Versionen werden voraussichtlich ab Januar 2013 lieferbar sein.
 
   
 
 

Donnerstag, 22. November 2012

Simulationssoftware AJHorn

Wer regelmäßig Lautsprecher frickelt und - wie ich - kaum an einem (historischen) 20er Breitbänder vorbeikommt, ohne ihn in irgend eine Form von Gehäuse oder Schallwand zu schrauben, der braucht eine anständige Simulationssoftware. Sicherlich hat es so seine Reize, einfach drauf los zu bauen, zu probieren und ob der Ergebnisse Ideen zu verwerfen, sich zu ärgern oder auch freudig erstaunt die Augen (und Ohren) zu reiben. Aber trial and error kann auch sehr zeit- und kostenintensiv sein...
  
Angelesenes Grundwissen ist natürlich auch kein Hindernis. Wer einmal "zu Fuß" eine Transmissionline (TML) oder eine Hornkontur berechnet hat, der hat bereits eine Menge gelernt und kann schon ungefähr abschätzen, wohin die Reise geht - eine Garantie für ein anständiges klangliches Ergebnis ist das aber noch lange nicht. Im Netz gibt es zwar nützliche Simulations- und Rechentools for free, die bisweilen sogar recht anständige Ergebnisse liefern (können). Aber wenn es etwas mehr sein soll als die simpel zu berechnenden und klanglich oft profanen Ergebnisse (sorry!) einer geschlossenen Box oder einer Bassreflexkiste, dann stoßen solche Tools schnell an ihre Grenzen. Denn ventilierte Systeme wie TML oder Hörner sind nun einmal nicht mehr so ganz trivial zu berechnen.
 
 
Das bringt mich - endlich - zur Simulationssoftware AJHorn, mit der ich seit längerem arbeite und die für mich inzwischen ein völlig unverzichtbares Werkzeug geworden ist. Anders als der Name suggeriert, lassen sich hiermit nicht nur Hörner berechnen - aber natürlich auch: Frontloaded mit geschlossener oder ventilierter Rückkammer, mit oder ohne Absorberkammer, Rearloaded mit oder ohne Absorberkammer, mit zweitem Treiber, parabolisch, konisch, exponentiell, hyperbolisch, oktalhyperbolisch, geometrisch, Taktrix,... Es gibt einfach nichts, was sich nicht simulieren ließe!
 
Aber AJHorn - inzwischen in der Version 6 - "kann" auch klassische TML in allen Varianten, Bandpassgehäuse - und, ja, selbst geschlossene Gehäuse oder Bassreflexgehäuse. Die Bedienung ist kinderleicht, die gesamte Menüführung sehr übersichtlich und wirklich alle erdenklichen Parameter wie Treiberposition, Menge des Dämpfungsmaterials usw. werden berücksichtigt. Das erstklassige Handbuch trägt übrigens wesentlich zum schnellen Einstieg bei. Was man natürlich weiterhin benötigt, sind die Thiele Small Parameter (TSP) des Treibers der Wahl. AJHorn verfügt bereits über eine große Datenbank, aber die meisten Breitbänder fernab vom Mainstream fehlen natürlich. Kein Problem, die wichtigsten TSP werden manuell eingegeben - wenn man sie denn zur Hand hat. Das ist bei historischen Treibern oft nicht der Fall; alte Datenblätter indizieren womöglich den ursprünglichen Parametersatz, aber ob der wohl noch stimmt... (also: selbst messen!).
 
Allerdings sollte man sich nicht verrückt machen und sklavisch noch der dritten Nachkommastelle hinterherjagen - meiner Erfahrung nach führen selbst Abweichungen von gut 5% bei den wesentlichen TSP noch nicht zu nennenswerten Unterschieden im simulierten Frequenzgang. Wer schon einmal die Herstellerangaben sowie die Angaben der gemessenen TSP in Klang + Ton und Hobby Hifi für ein und den selben Treiber miteinander verglichen und simuliert hat, kann das nachvollziehen. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Passive Frequenzweichen lassen sich natürlich auch "einbauen" (simulieren) - wenn man es denn möchte.
  
 
Der Screenshot oben zeigt beispielsweise das Ergebnis für einen 20 cm Breitbänder, den ich virtuell in eine Transmissionline gepflanzt habe. Hier habe ich tatsächlich zunächst "zu Fuß" die TML grundsätzlich ausgelegt und dann per AJHorn optimiert. Dabei zeigt der schwarze Verlauf im oberen Diagramm die Simulation bei freier Aufstellung im Raum, die rote Kurve bei Aufstellung an der Wand und die grüne Kurve bei Aufstellung in einer Raumecke (unten ist der Impedanzverlauf).
 
Der Treiber hat ab dem Mittelton eine mittlere Empfindlichkeit von 95 dB/W/m, welche er bis möglichst weit in den Keller wenigstens ausgewogen und so linear wie möglich halten sollte. Irgendwo zwischen dem schwarzen und dem roten Verlauf - also ca. bei 30 - 40 cm Abstand zur Rückwand - scheint mir das Ideal zu liegen, wo der Frequenzgang im Raum bis ca. 45 Hz (-3 dB) runtergehen sollte. Wer glaubt, ich habe die Frequenzverläufe nachträglich geglättet, irrt: Zu Beginn der Simulation sah der Verlauf TML-typisch wie ein zerklüftetes Gebirge mit abenteuerlichen Tälern aus, aber durch teilweise unerwartete Maßnahmen in der Gehäusekonstruktion ergab sich schließlich der dargestellte Verlauf.
 
Im Moment hat dieser Lautsprecherentwurf den Projektnamen "Supersonic", ich hoffe, ich finde in den Wintermonaten (Anfang kommenden Jahres) Zeit, diesen Lautsprecher auch einmal zu bauen. Vollbereichs-BB, filterlos, 95 dB/W/m, gar nicht mal soo klein, aber auch noch nicht riesig - ideal für kleine Trioden-Eintakter also. Und wenn man berücksichtigt, wie exakt die Simulation mit AJHorn ist (wie K+T und HH in schöner Regelmäßigkeit immer wieder bestätigen können), dann wächst die Vorfreude weiter...
 
Vorher kommt aber erst einmal Weihnachten und wer noch ein Geschenk für einen Lautsprecher-Frickler sucht, der verschenke doch einfach AJHorn. Für rund 120 € inkl. Handbuch jeden Cent mehr als wert und wer glaubt, ich hätte irgend einen Vorteil durch diese Lobhudelei oder das Programm gar umsonst bekommen, der irrt. Ich finde AJHorn wirklich einfach genial und möchte es jedem dringend empfehlen, der selbst hin und wieder Lautsprecher baut. Danke, Herr Jost, für diese tolle Entwicklung!

Mittwoch, 21. November 2012

Über die Zukunft von Printmedien

Vergangene Woche hat die Frankfurter Rundschau Insolvenz anmelden müssen, nun hat das Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr offenbar beschlossen, die Financial Times Deutschland einzustellen sowie die Wirtschaftszeitschriften Impulse und Börse Online zu verkaufen. Marktexperten prognostizieren ein "Massensterben" im Bereich der Printmedien innerhalb der nächsten zehn Jahre, insbesondere im Bereich von Nischenthemen besetzenden Fachmagazinen. Gleichwohl die vorgenannten Publikationen mit dem Thema Hifi kaum etwas am Hut haben, so muss einem schon Angst und Bange werden - gerade Verlage, die das Thema Hifi besetzen, dürften es nicht unbedingt leicht haben. Was das Aussterben "unserer" Publikationen für unser Hobby zur Folge hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen.
 
Die Ursachen für das heutzutage schwierige Marktumfeld mag vielfältige Ursachen haben, aber ganz wesentlich scheinen mir zwei Aspekte im Zusammenhang mit dem Internet zu sein: das facettenreiche, meist kostenlose Informationsangebot im Netz für potenzielle Leser sowie die sehr späte, bisweilen immer noch sehr reservierte Öffnung der Verlage gegenüber dem Medium Internet.
 
 
In meiner Jugendzeit, als ich mir die ersten Hifi-Magazine kaufte, waren am Horizont noch nicht einmal annähernd die Grundzüge des heutigen Internets zu erahnen. Ich bin von je her an Magazine aus echtem Papier gewöhnt und würde auch heute nicht auf die Haptik raschelnden Papiers verzichten wollen. Gleichwohl kann ein Verlag inzwischen langfristig nur Erfolg haben, wenn er neue, junge Leser an seine Publikation bindet und sie dort "abholt", wo sie sich aufhalten: im Internet. Was nichts anderes heißt, dass die Zukunft in für (Tablet) PCs geeigneten elektronischen Formaten der Zeitschriften liegt! Der eine oder andere Netzauftritt ist ja bereits sehr vielversprechend, ersetzt aber nicht die elektronische Ausgabe als pdf oder im für den App Store geeigneten Format (einige Verlage bieten ihr Magazin ja bereits als pdf-Download an - sogar günstiger als die gedruckte Ausgabe).
 
Und uns konservativen Papierfreunden stünde es hin und wieder gut zu Gesicht, sich nicht ständig über die ach so hohen Preise für die Magazine aufzuregen und den vermeintlich hohen Anteil an Werbung anzuprangern - mir kommt das ehrlich gesagt schon zu den Ohren heraus. Heutige Publikationen werden nun einmal wesentlich über Werbung finanziert und weniger über den Verkaufserlös. Einzig den hohen Anteil getesteter Geräte, die auch im Heft beworben werden, empfinde ich hin und wieder als "auffällig", insbesondere mit Blick auf die Meinungsunabhängigkeit und ehrliche Berichterstattung.
 
Ein gutes Magazin hat aber eben seinen Preis, und der ist gerade bei zweimonatiger Erscheinungsweise absolut zu verschmerzen - und an die Raucher gerichtet: Selbst die teuersten Magazine kosten nicht einmal so viel wie drei Schachteln Zigaretten. Wär´s nicht besser, lieber mit dem Rauchen aufzuhören?!

Freitag, 16. November 2012

Gehäuse für Röhrenverstärker

Die Schaltung für den nächsten Röhrenverstärker steht, die NOS-Röhren sind bereits ausgemessen und gematcht, die Übertrager geordert - und das Gehäuse? Rumbrutzeln mit dem Lötkolben ist eine Sache, aber ohne geeignete Maschinen und passendes Werkzeug ein Gehäuse herzustellen eine andere. Von der Stange gibt´s passende Gehäuse nicht und selbst umfunktionierte alte Schaltkästen aus Metall müssten noch Ausschnitte für Trafo, Übertrager und Röhren bekommen. Außerdem werden Sie Ihren Traum vom Design im Steampunk-Style bei Ihrer besseren Hälfte eh´ nicht durchsetzen können und Varianten mit Holzzargen oder gar Holzapplikationen sind Ihnen dann doch einfach zu weichgespült. Was also tun?
  

 
Vielleicht setzen Sie sich einfach einmal mit Zbigniew Wittmann (z.wittmann@gmail.com) aus Görlitz in Verbindung. Seine Internetseite ist noch in der Entstehung, aber "Zbig" fertigt nach Ihren Vorgaben auf CNC-Maschinen Verstärkergehäuse aus 1 mm Stahlblech. Gehäuseteile, Bohrungen und Ausbrüche sind exakt gelasert und die Oberfläche ist pulverbeschichtet. 3 mm starke Frontplatten aus Aluglattblech können per Sublimationsdruckverfahren beschriftet werden.
 

 
Die Kundenvorgaben werden von Zbig in ein Auto-CAD System eingepflegt und dem Kunden zur Kontrolle und Freigabe vor Fertigungsbeginn elektronisch übersandt (Formate .dwg, .edrw, .pdf, .ai oder .jpg - je nach Wunsch).

Dienstag, 13. November 2012

Psvane 2A3-T

Womöglich kennt der eine oder andere die Marke Psvane noch nicht. Hervorgegangen ist Psvane (u.a.) aus einem harten Kern ehemaliger Shuguang-Mitarbeiter, der insbesondere für die Produktion der höherwertigen "Black Bottle" Treasure Serie der Chinesen verantwortlich war - Argwohn à la China-Böller ist hier also nicht unbedingt angebracht. Nach einigen internen Querelen hat diese Truppe Shuguang dann verlassen und zusammen mit einigen anderen Audiophilen außerhalb Chinas Psvane ins Leben gerufen; seit November 2011 ist Psvane eigenständig. Wer sich für die Details interessiert, liest einfach hier weiter.
  
   
Psvane gliedert seine Röhrenproduktion in drei Serien. Die "Hifi Serie" stellt den preisgünstigen Einstieg dar, der Kunde darf hier wohl eher Standardqualität erwarten - warum nicht. Die höherwertige (und höherpreisige) "T Serie" ist quasi als MkII-Version der früheren "schwarzkolbigen" Shuguang Treasure Z Serie zu sehen. Sie umfasst derzeit fünf Röhrentypen:  KT88, 300B, 2A3, 6CA7 und 6SN7 (CV181). Die recht neue "Western Electric Replica Serie" stellt die Toplinie der Chinesen dar - hier hat Psvane sich auf die Fahnen geschrieben, ausschließlich 100%-ige 1:1 Replika aufzusetzen. Derzeit findet sich lediglich die WE 300B als einziges Mitglied dieser Serie auf der Psvane Website wieder, dem Vernehmen nach sind aber weitere Röhrentypen in der Testphase. Offenbar streben die Chinesen ernsthaft an, ausschließlich hinreichend geprüfte Qualität auf den Markt zu bringen. Wie ernsthaft dieses Streben ist, mag man womöglich aus der Zusammenarbeit im Bereich 300B mit Line Magnetic ableiten. Immerhin greift Line Magnetic auf Psvanes Know How und Können zurück, vermutlich sind die 300B-Derivate von Line Magnetic und von Psvane identisch. Ich finde, das Ansinnen des originalgetreuen Nachbaus verdient wirklich Anerkennung.
 
Nach diesem kurzen Ausflug soll es endlich um die Psvane 2A3-T gehen:
  
  
 
(Bildquellen: Psvane & Tube Amp Doctor)
 
Die zur T Serie gehörige 2A3-T (wer hätte das gedacht!) kommt in einer schmucken, ausgeschäumten Box und individuellen Messprotokollen daher - hübsch gemacht! Ob die vergoldeten Sockel wirklich klanglich relevant sind oder hier eher die "Bling-Bling-Klientel" bedient wird, mag jeder für sich selbst bewerten - ich hätte schwarze Sockel jedenfalls bevorzugt. Pechschwarz und matt. Aber die schwarz gefärbten Kolben mit den hübschen Psvane-Logos darauf gefallen mir ausgesprochen gut und auch die vergoldeten Pins gehen in Ordnung.
 
Allein die Info, ob die Dinger klanglich was taugen, muss ich schuldig bleiben. In Deutschland sind die Psvane 2A3-T über Tube Amp Doctor für 309 € pro gematchtes Paar erhältlich. Wer mit diesen Röhren schon Erfahrungen gesammelt hat - Kommentare sind herzlich willkommen!

Sonntag, 11. November 2012

Emission Labs 2A3-Mesh

Wer heuer ein anständiges Pärchen 2A3 als NOS (New Old Stock) sucht, hat es inzwischen verdammt schwer. "Echte" NOS sind so gut wie nicht mehr zu finden. Meistens stammen die als NOS deklarierten Pärchen aus Beständen, wo sich die Frage geradezu aufdrängt, ob die Röhren nicht doch schon einmal im Sockel eines Amps gesteckt haben... Klar, NOS-Specs werden selbst nach längerem Betrieb noch erfüllt, die Kontaktstifte "aufgehübscht", ab in eine weiße Schachtel mit draufgeklebten (ausgedachten?) Messwerten - mit New Old Stock hat das freilich nicht mehr viel gemein. Unversehrte Originalschachtel, jungfräuliche Röhre - Fehlanzeige. Das als vermeintliches Qualitätsmerkmal inflationär und meistens im falschen Kontext verwendete Kürzel "NOS" hat längst seinen Wert verloren.
 
Aber dennoch muss man als 2A3-Fan bar des Nachschubs alter Originale nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Auch ist es nicht nötig, auf leidlich anständige Sovteks oder immer noch kursierende, berühmt-berüchtigte China-Kracher zurückzugreifen. Bereits seit langer Zeit gibt es die Emission Labs 2A3-Mesh, die ich ehrlich gesagt aus Ignoranz bislang links liegen gelassen hatte.
 
  
(Bildquelle: emissionlabs.com)
 
Die Emission Labs 2A3-Mesh halten sich sehr genau an die elektrischen Originalspezifikationen. Mechanisch hingegen gibt es freilich einige Besonderheiten: Die Röhre ist als Monoplate ausgeführt. Sie verfügt dennoch über 15 Watt Anodenverlustleistung, wie die Dualplate-Derivate "alter" Ausführung und sie ist damit für ca. 3,5 Watt Ausgangsleistung gut. Zum Vergleich: "Alte" 2A3 Monoplates "schaffen" nur ca. 2,3 - 2,5 Watt Ausgangsleistung. Eine weitere Spezialität der Emission Labs ist die partielle Ausführung des Anodenblechs als Mesh-Anode. Emission Labs bedient sich hier des Hypes um Röhren mit Mesh-Anoden und spricht seinen Röhren zu, dass dadurch etwas "Magisches" mit dem Klang geschehe - ich lasse das einfach einmal unkommentiert stehen.
 
 
(Bildquelle: emissionlabs.com)
 
EML gibt an, besonderes Augenmerk auf Mikrophoniearmut gelegt zu haben. So seien Röhre und Sockel mit einen speziellen Gummi verklebt. Ich halte die Emission Labs 2A3-Mesh für ein ausgesprochen interessantes 2A3-Derivat, welches eine echte Alternative zu alten Originalen sein könnte. In Deutschland gibt es diese Röhren bei Jacmusic für ca. 450 € für ein gematchtes Pärchen. Überhaupt habe ich Jac (van de Walle) stets als höchst zuverlässigen Röhren-Dealer kennengelernt und früher bereits die eine oder andere ("echte"!) NOS bei ihm gekauft. Achtung: Die 2A3-Mesh ist nicht zu verwechseln mit der ebenfalls von EML gefertigten 2A3-S, welche nicht die originalen 2A3-Specs aufweist.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Shit happens...

Dies war einmal eine Sylvania 2A3 Dual Monoplate mit voller Emission. Auch wenn es (zum Glück) nicht meine ist, da blutet das Herz!
 

Freitag, 26. Oktober 2012

Rega RP8 + Tonarm RB808 + TT PSU + Alpheta MC

Wenn ein Plattenspielerhersteller wie Rega einen neuen Dreher herausbringt, ist das immer eine Meldung wert, zumal wenn das Gerät in der firmeneigenen Hierarchie weit oben angesiedelt ist: Der neue Rega RP8 ist da!
  
 
Auffälligstes Merkmal ist die neue Skelettstruktur der Basis, welche aus einem Sandwich aus Phenolharz (außen) und einem Hartschaumkern aus Polyolefin besteht. Beide Materialien sind sehr leicht, dabei extrem steif und verfügen über unterschiedliche Eigenresonanzen, welche sich durch ihre Kombination quasi auslöschen.
 
 
Der Plattenteller besteht aus drei miteinander verklebten Glasschichten, wobei die einzelnen Schichten CNC-bearbeitet sind. Die Glasschichten sind nicht massiv, sondern konzentrieren ihre Masse durch ihre Ringstruktur weit außen, was für einen Schwungradeffekt und damit für höhere Gleichlaufstabilität sorgen soll.
  
 
Der neue Tonarm RB808 hat noch engere Lagertoleranzen und verfügt über einige weitere Detailverbesserungen. Auf Wunsch kann der Arm bereits ab Werk mit dem Alpheta MC Tonabnehmer ausgerüstet werden.
 
 
Wie auch beim RP6 gehört die Steuerelektronik TT PSU mit zum Lieferumfang. In Deutschland wird der RP8 voraussichtlich Ende November 2012 lieferbar sein. In der Basisversion ohne Tonabnehmer wird es den RP8 ab 2.490 € geben.
 
 
Alle Bilder stammen von der Rega Webseite.


Freitag, 19. Oktober 2012

Produkte, die die (HiFi-)Welt nicht braucht

Jetzt reicht´s, wirklich. Glaubte ich kürzlich in meinem Beitrag Über das Musikhören noch, der "Spirituelle" gehöre einer Randgruppe an, muss ich mein Urteil nun nach einigen Recherchen im Netz wohl revidieren. Ich stolperte über eine Fülle von Nonsens-Produkten, bei denen es augenscheinlich nur darum geht, potenzielle Kunden abzuzocken. Das Schlimme daran ist, dass es offenbar einen Markt für solche Produkte geben muss, folglich auch Kunden, die diesem Auswuchs der Scharlatanerie auf den Leim gehen (leider).
 
Dieser Sachverhalt ist womöglich eine periphere Folge unserer gesellschaftlichen Veränderung, in der sich die soziale Schere weiter und weiter auseinander bewegt: Die Mittelschicht bricht weg, immer mehr Menschen verfügen über sehr Wenig, andererseits gibt es eine wachsende Anzahl derer, die über ein außerordentliches Vermögen verfügen. Darum geht es mir hier aber gar nicht - ich bin weder Gesellschaftswissenschaftler noch Politiker, auch wenn ich hierzu eine Meinung habe. Des Pudels Kern scheint mir zu sein, dass eine stetig wachsende Personenzahl so viel Geld zur Verfügung hat, dass es Ihnen egal ist, wofür sie ihr Geld ausgeben, und sei es für vorgenannte Nonsens-Produkte. Ich betrachte den Sachverhalt im Folgenden aus der Sicht eines pragmatischen Ingenieurs, dem es gegen den Strich geht, dass einige schwarze Schafe der Branche womöglich nachhaltigen Schaden zufügen.
 
Es ist schlicht unmöglich, an dieser Stelle in Gänze auf den ganzen Mist einzugehen, der da angeboten wird (und ich will diesem auch nicht mehr Platz als nötig einräumen), daher werde ich mich auf einige exemplarische Produkte beschränken. Ich werde mich hüten, die Produkte direkt zu verlinken, allerdings sind diese recht leicht zu "googlen". Ich werde nicht einmal mehr auf die diversen profanen Klangschälchen eingehen, die es an jeder Ecke gibt - durchaus vorstellbar, dass diese in der Tat durch Lautsprecherschall zum Resonieren angeregt werden. Und wem es gefällt, dass es für einen bis zu fünfstelligen Eurobetrag in seinem Hörraum via diverser Bronze-, Silber-, Gold- oder Platinschälchen ordentlich klingelt - bitteschön, ihr habt meinen Segen.
 
Besonders bemerkenswert fand ich aber eine "Klangschatulle", in die CDs auf eine darin befindliche, elektrisch leitende Schaumstoffmatte gelegt werden können. Mittels Erdungskabel mit der elektrischen Masse eines CD-Spielers verbunden, werde so die unerwünschte statische Aufladung der CD "entsorgt", die Fehlerkorrektur des CD-Spielers brauche weniger eingreifen und der Klang, nun... Beim Schließen des Schatullendeckels für fünf Sekunden werde das Klangbild voluminöser und die Klangfarben intensiver. Nach einer Schließzeit von zehn Sekunden sei gar eine gesteigerte Auflösung zu erwarten. Übrigens sollte beim "Entladevorgang" nicht versäumt werden, den Messingbeschlag des Deckels zu berühren - das unterstütze den Prozess. Außerdem sollte jede CD vor dem Abspielen einige Sekunden lang auf Fichtenholz gelegt werden, das bringe noch mehr klangliche Natürlichkeit. Ähnliche Effekte seien mit Bergkristallen zu erzielen - daher seien die Hohlräume der Klangschatulle mit eben solchen Steinchen befüllt. Diese sind zum Glück im Preis von 470 EURO bereits enthalten - na, da bin ich aber beruhigt. Leider höre ich keine CDs, sondern nur Vinyl. Aber eine größere Schatulle für unser schwarzes Gold folgt bestimmt bald für einen vierstelligen Betrag...
 
Ein anderes interessantes Produkt ist ein magischer Power-Animator - eine vollkommen neue und bahnbrechende Technologie. Er arbeite im "submolekularen Bereich", bewirke eine positive Beeinflussung von leitfähigen Materialien und wirke damit auf sämtliche von Netzstrom durchflossenen Kabel und Bauteile einer Audio Anlage. Gleichzeitig würden auf die mit dem Gerät verbundenen Stromkreise "energetische Informationsmuster" übertragen und verleihen der Musik natürliche Klangeigenschaften, und zwar durch „Harmonisierung der Leiterstruktur". Die kleine Kiste muss dazu nur an den Stromkreis angeschlossen werden, an dem auch die HiFi-Anlage hängt. Immerhin kann der Kunde das Zeug zwei Wochen kostenlos zu Hause testen, bevor er endgültig bis zu 2.500 EURO für alle möglichen Animatoren überweist. Eine handfeste Erklärung der technischen Wirkungsweise erhält der Kunde mit dem Kaufpreis aber nicht.
 
Und für all diejenigen unter Ihnen, für die Holzklötzchen, Harmonizer und Steinchen ein alter Hut sind, die erklimmen neue Sphären mit einem Produkt namens Hallograph. Zwei Dinger auf jeweils eigenem Ständer, die an eine mannhohe, überdimensionale Holzgabel erinnern (oder eher an eine hübsch gemachte Mistforke), werden hinter den Lautsprechern in den Raumecken positioniert und auf den Hörplatz ausgerichtet. Sie emittieren angeblich 180° phasengedrehten Schall und löschen so den von den Wänden reflektierten Fehlschall durch Interferenz aus. Oha! Na ja, dass diese Riesengabeln vermeintlich Reflexionen zweiten und n-ten Grades mindern und so das Klangbild deutlich zusammenhängender und räumlich gestaffelter entstehen lassen, erspare ich Ihnen. Für 1.600 Bucks aber ein echter Schnapper.
    
  
Hatte ich erwähnt, dass ich derzeit selbst an einem Gravitations-Animator auf Basis des Higgs-Bosons arbeite? Dieser wird dann Ihren Plattenspieler zu nie geglaubter Performance animieren. Sollte ich diese in Teilen gefährliche Entwicklungsarbeit überleben, werde ich Ihnen ein Produkt anbieten können, dass Sie vom Hocker hauen wird - so locker und luftig wird Ihnen das Klangbild erscheinen. Hier fließen Erkenntnisse aus der Arbeit des CERN ein, so dass ich selbstredend zur Verschwiegenheit hinsichtlich der technischen Wirkungsweise verpflichtet bin. Da ich aber nur am Wohl des Kunden interessiert bin und nicht an meinem eigenen Geldbeutel, bin ich bemüht, den Endpreis für Sie als Kunde nach Möglichkeit vom derzeitig kalkulierten sieben- auf einen sechsstelligen Eurobetrag zu drücken - das Gerät wird jeden Cent wert sein. Stay tuned!

Nachtrag vom 26.10.2012:
Ausgerechnet in der heute erschienenen Ausgabe 6/2012 der Fidelity besprechen sowohl Ingo Schulz als auch Roland Kraft oben erwähnte Klangschatulle in der Rubrik "Area 51". Zufälle gibt´s...
 
 

Montag, 15. Oktober 2012

Ohne Röhre: Nuforce Icon Amp

Beim Bau von Lautsprechern besteht häufig die Notwendigkeit, diese in den verschiedensten Räumlichkeiten - auch in staubigen, für Röhrenverstärker bisweilen unwirtlichen Werkstattumgebungen - "schnell mal eben" zu testen. Dafür ist eine Röhre nicht nur oft zu schade, sondern auch einfach zu schwer und zu empfindlich, also musste eine Alternative her - hier bot sich der Nuforce Icon Amp an. Aber dazu im Folgenden mehr.

In meinem high-fidelen "Früher" - Ihr "Früher" mögen die 1970er-Jahre gewesen sein, für die Jüngeren unter Ihnen vielleicht die 1990er- oder 2000er-Jahre, für mich waren es die frühen 1980er-Jahre - war die Verstärkerwelt viel einfacher. Die zumeist japanischen, mit allem Schnick und Schnack ausgestatteten transistorisierten Geräte im Ein- und Aufsteigersegment folgten innerhalb einer Produktlinie klaren Bezeichnungen, die nicht selten mit der Nennleistung oder dem Preis korrelierten. Oberhalb dessen war eine überschaubare Anzahl fetter Boliden US-amerikanischer, europäischer oder eben asiatischer Provenienz angesiedelt, deren äußeres Erscheinungsbild oft geeignet war, ein deutliches Mehr an Klangqualität zu suggerieren (obschon Preis und daran gekoppelte Ambitionen nicht selten eine eher hinkende Liaison eingingen). Wirklich lässige Zeitgenossen hingegen stellten sich einen puristischen britischen Class A-Amp hin, auch wenn der nach 500 Betriebsstunden schon mal abrauchte... Und Röhrenverstärker? Nur die mutigsten unter den Hi-Fi-Redakteuren wagten es damals überhaupt, für diese Gerätschaften eine Lanze zu brechen. So war das damals. Oder so ähnlich, jedenfalls in meiner Wahrnehmung.

Heute ist alles anders, viel komplizierter: Jedes Gerät hat einen ausgefallenen, häufig der Sagen- oder Götterwelt entliehenen Namen; es gibt passive Vorstufen, Vollverstärker-Hybride, Schaltverstärker, Verstärker in SMD-Technologie, Röhrenverstärker allerorten (sowie deren chinesische Replikate) - oder auch Class D-Verstärker. Dieser recht jungen Spezies zugehörig ist auch der Proband, um den es hier geht: der Nuforce Icon Amp.
   
 
Form follows function: Schlichtes Design, reduziert auf ein puristisches Minimum
  
Die Class D-Technologie ist längst fester Bestandteil der Hi-Fi-Szene, alle Kinderkrankheiten wie z.B. erhöhte Rauschneigung oder sensibles Reagieren auf niedrige Impedanzen sind bei modernen Geräten weitgehend ausgemerzt und der hohe Wirkungsgrad um die 90 Prozent erfüllt freilich jede Energieeffizienz-Verordnung. Fast scheint es, als hätte diese Technik Transistor & Co. nicht nur aufgemischt, sondern längst rechts überholt...

Bei dieser mit Pulsweitenmodulation arbeitenden Verstärkertechnik handelt es sich übrigens nicht um Digitalverstärker, wie das Class D (wie digital) vordergründig nahelegt. Die Amplitude des analogen Eingangssignals wird stufenlos erfasst und in Rechtecksignale ("Pulse") umgesetzt. Diese Pulse haben alle die gleiche Höhe, aber eine unterschiedliche, stufenlose Länge - damit sind die Signale immer noch analog, weil sie nicht quantisiert, also nicht gerastert sind. Nach der Verstärkung werden die Pulse des Ausgangssignals per Tiefpassfilter, welches üblicherweise gleich knapp oberhalb von 20 kHz ansetzt, eliminiert und übrig bleibt das verstärkte, analoge Signal. Doch genau hier liegt eine Achillesferse dieser Technik: Das passive Tiefpassfilter benötigt eine feste Abschlussimpedanz, die aber durch die Lautsprecherimpedanz natürlich nie gegeben ist. Daher hängt vor allem im Hochtonbereich der Frequenzgang des Verstärkers von der Lautsprecherimpedanz ab.

Nun ist Nuforce keine Unbekannte mehr, und einigen Geräten der kalifornischen Schmiede werden geradezu sagenhafte klangliche Eigenschaften nachgesagt. Eine technische Besonderheit bei Nuforce ist, dass man einen Weg gefunden hat, den Lautsprecher bzw. dessen Impedanz mit in die Tiefpassfilterschleife einzubeziehen und sich so der vorgenannten Achillesferse zu entledigen, sprich: Der Frequenzgang des Verstärkers ist unabhängig von der Lautsprecherimpedanz. Grund genug also, auch den bereits seit geraumer Zeit am Markt vertretenen kleinsten Spross der Familie endlich einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

Der Icon Amp gehört zur sogenannten Desktop-Serie der Kalifornier und ist damit scheinbar eher darauf ausgelegt, für gewissen Wohlklang am Arbeitsplatz oder auf dem heimischen Schreibtisch denn im Wohnzimmer zu sorgen. Und was kann man wohl schon für gut 200 € erwarten...?! Nun, als Anschlusswunder wird das kleine Kästchen auch kaum durchgehen. Es verfügt lediglich über einen Hochpegeleingang - immerhin anständige, vergoldete RCA-Buchsen. Ausgangsseitig nimmt der Verstärker Bananas in Richtung Lautsprecher auf, bis auf die Buchse für das Netzteil war es das dann auch schon auf der Rückseite des Gerätes. Auf der Vorderseite befindet sich lediglich der Lautstärkeregler - that´s all, Folks.
   
 
Kein Anschlusswunder...
   
  
Kompakter geht´s nimmer – das Gerät ist kaum größer als das Netzteil
    
Wer – wie ich - nicht mehr als eine Signalquelle betreibt bzw. für den vorgesehenen Zweck benötigt, wäre ja dennoch ausreichend bedient und dürfte sich über einen Verstärker freuen, der bei senkrechter Aufstellung per Standfuß einen extrem geringen Platzbedarf aufweist. Nur bitte keine schlauchdicken Kabel verwenden, denn sonst wird das kleine, leichte Kerlchen womöglich glatt vom Rack gezogen. Da der Icon Amp 18 Watt Nennleistung an acht Ohm bereitstellt, scheidet lautsprecherseitig die Stromsäuferfraktion selbstredend aus; gut 90 dB Empfindlichkeit pro Watt und Meter sollten es da schon sein.

Was der Nuforce dann allerdings zu leisten im Stande ist, lässt mich bisweilen erstaunt die Kinnlade runterklappen: Er verfügt über ein ausgesprochen ausgedehntes Frequenzspektrum an beiden Enden, steigt tief in den Keller und erklimmt mühelos höchste Frequenzgipfel. Diese Wahrnehmung mag ein Stück weit dem Umstand geschuldet sein, dass ich eher Röhren-konditioniert bin und Single Ended Trioden im direkten Vergleich in dieser Disziplin womöglich doch etwas limitiert sind. Gerade im Basskeller besticht der Icon Amp durch straffe Kontrolle und Schnelligkeit – tiefe Töne gibt er mit Akkuratesse und Substanz wieder, bläht sie aber niemals auf, sondern liegt tendenziell ganz leicht auf der schlanken Seite. Dem farbig-federnden Bassbereich einer guten Triode setzt er einen schlackenfreien Tiefgang entgegen.

Bei Rockmusik besitzen scharf angerissene Gitarrensaiten den richtigen stählernen Glanz („mit ordentlich Fleisch“); dabei verfügt der Nuforce über ein sehr hohes Auflösungsvermögen, ohne jedoch analytisch zu sezieren. Feinste Details und nuancierte Strukturen in der Musik kontrastieren vor einem rabenschwarzen Hintergrund - hierfür scheint mir das sehr geringe Rauschniveau ein ganz wesentlicher Grund zu sein. Der Icon Amp spielt wie aus einem Guss, lässt mich Platte um Platte auflegen und stellt sich völlig in den Dienst der Musik. Hier wird nichts geschönt, nichts weggelassen oder hinzugefügt – von Euphonie keine Spur. Gut so! Dabei ist dieser Kalifornier alles andere als langweilig, sondern er „spielt“ die Musik im besten Sinne des Wortes.

Eine interessante technische Eigenart - womöglich charakteristisch für die Class D-Technik - möchte ich nicht unerwähnt lassen: Bringt man diesen Verstärker nahe an seine Leistungsgrenze (was mit wirkungsgradstarken Lautsprechern allerdings fast unmöglich ist, ohne einen Gehörschaden davonzutragen), passiert - nichts. Wo ein Transistor bereits ins "Clipping" geht und eine Röhre nur noch für pfützenflache Dynamik gut ist, lässt dieser Class D-Amp immer noch die Muskeln spielen. Erst ganz am Ende seiner Reserven bricht er abrupt ein und klingt dann etwas harsch, leiser, beengter. Rein subjektiv scheint er damit die zur Verfügung stehende Leistung in Form eines größeren nutzbaren Headrooms einfach besser auszunutzen.

Was aber kann diese kleine Ikone nicht? Nun, das letzte bisschen Souveränität und eine richtig große Bühne fehlen ihr dann doch. Das war bei diesem Preisniveau auch nicht zu erwarten. Geschenkt, sage ich, um gleichsam folgende Relativierung hinterherzuschicken: Wer die Anschaffung eines vielfach teureren Verstärkers - ganz gleich, ob Röhre, Transistor oder was auch immer - plant, der möge sich diesen Nuforce unbedingt im direkten Vergleich anhören. Die Chancen auf herunterklappende Kinnladen stehen ziemlich gut.

Wer den Nuforce Icon Amp für seinen originären Einsatzzweck verwendet – als Verstärker für eine kleine Schreibtischanlage – wird kaum ein besseres Gerät zu diesem Kurs finden, freilich wirft er so Perlen vor die Säue. Vielmehr erlaubt der Icon Amp für lange Zeit (vermutlich weit länger als gedacht!) sehr zufriedenes Musikhören, wenn bei begrenztem Budget der Großteil zunächst besser in Quelle und Lautsprecher investiert wird. Nicht zu vergessen die diebische Freude, wenn man ihn im Bekanntenkreis flugs aus der Tasche zaubert und er in fremden Setups für Erstaunen oder sogar Tränen in den Augen sorgt, indem er selbst gestandenen Größen hier und da mal kräftig in den ach so high-fidelen Allerwertesten tritt.

 
Der Icon Amp als Röhren-Killer also? I wo! Gegen den Charme einer feinen Triode kann die Class D-Technik dann doch nichts ausrichten, zumindest ich bin dagegen immun... Aber deshalb sind Seitenblicke hier und da ja dennoch erlaubt, und sei es nur, um die eigene Einordnung der Röhrentechnik einmal einem Update zu unterziehen.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Bohei um Bowei - oder was?

Animiert durch Holgers Post Alles billig - oder was? habe ich ein Bild aus der Bucht geklaut, um den Missstand der Produktpiraterie, des unerlaubten Nachbaus von Replika (besser: Fälschungen!) und des damit einhergehenden Preisdumpings an einem konkreten Beispiel festzumachen.
 
Wer sich in der Bucht umschaut, findet den "Bowei 2A3C", der nichts anderes ist als eine billige Kopie einer Sun Audio Uchida 2A3. Preis: 390 € - das sind gerade einmal 11% dessen, was eine "originale" Sun Audio Uchida 2A3 beim offiziellen Europavertrieb (audio-life.nl) kostet! Standort: Hongkong. Das Kalkül des Herstellers/Anbieters ist klar: Dem Interessierten soll durch das identische Aussehen gleiche Qualität zum Schnäppchenpreis suggeriert werden.
   
 
Bowei 2A3C - Fälschung einer Sun Audio Uchida 2A3
 
Dass hier keine Übertrager von Tamura verbaut sind und zweifelhafte Röhren zum Einsatz kommen, dürfte klar sein. Auch die sonstige Bauteil- und Fertigungsqualität stimmt bei einem Blick unter das Bodenblech nachdenklich. Ein Bekannter - und ernstzunehmender Röhren- und Boxenfrickler dazu! - hat sich zwei dieser Dinger doch tatsächlich bestellt und mir berichtet. Und angeblich sollen sie gar nicht mal so schlecht klingen, zumindest ließe sich keinesfalls auf einen Preis von 390 € schließen.
 
Nun ist Ideenklau nicht allein moralisch verwerflich, sondern bringt den Entwickler des "Originals" darüber hinaus womöglich um einen Teil seines Umsatzes (bis hin zum Ruin). Stellt man die kritische Frage, wie ein solches Gerät, gleichwohl qualitativ sehr "abgespeckt", zu einem Neuntel des für das Original aufgerufenen Preises hergestellt und mit Marge verkauft werden kann, lässt dies nur einen Schluss zu: Auf die kostenträchtige Einhaltung von Umweltschutzrichtlinien und Sicherheitsvorschriften wird verzichtet und in der Fertigung werden Hungerlöhne gezahlt. Und ich als Konsument soll bewusst getäuscht werden.
 
Wer sich dieser Entwicklung entgegenstellen will, dem bleibt nur eins: konsequent zu handeln - Finger weg von solchen Produkten!

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Grundlagen: Wirkungsgrad von Lautsprechern

Bereits mehrfach habe ich auf die Vorteile von Hochwirkungsgradlautsprechern hingewiesen und sogar die These aufgestellt, alles unter 92 dB/W/m tauge nichts (dazu stehe ich weiterhin). Und das hat zu allerletzt damit zu tun, dass insbesondere Röhrenverstärker auf hohe Wirkungsgrade bei Lautsprechern angewiesen sind - nach meiner Erfahrung unterschlagen Stromsäufer viele Details und eignen sich nicht zum Leisehören.
 
Kürzlich bin ich auf den Seiten des Online Magazins HIFI Statement Netmagazine auf den interessanten Artikel von Jürgen Saile Grundlagen: Wirkungsgrad von Lautsprechern gestoßen, der Wasser auf meine Mühlen ist und den ich unbedingt zum Lesen empfehlen möchte.
 
 
Aber auch sonst lohnt ein Besuch der Seite, vor allem die Grundlagenartikel und die "Klangbibliothek" sind m.E. gut gemacht.

Dienstag, 25. September 2012

DIY Vorverstärker (Hochpegel) mit Cas/AZ1

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Björn zu seinen Mono-Endstufen im "Kupfermäntelchen" (EL5 bzw. 4624 (E707)) auch die passende Hochpegelvorstufe bastelt. Zum Einsatz kommt die alte Poströhre Cas (Siemens oder Valvo), eine direkt geheizte Triode - alternativ können auch Ca oder Ce verwendet werden. Ihre vorbildliche Linearität sowie eine zu erwartende Lebensdauer von über 5.000 Stunden sprechen für diese Röhre.
  
    
 
Direkt geheizte Triode Cas (Poströhre aus den Anfängen der 1930er-Jahre)
 
Als Gleichrichter fungiert wieder eine AZ1 (wie bei den EL5 Monos), hier als Mesh-Variante von Telefunken. Als besonderes Gimmick zeigt eine Nixie-Röhre den gewählten Eingang an:
  

 
Hinten: AZ1 (Mesh) von TFK, vorn: Nixie-Röhre als Quellenanzeige
   
Fast schon als Hochverrat empfinde ich die Möglichkeit zur Fernbedienung - Björn hat irgendwo doch tatsächlich ein Infrarot-Auge versteckt... Sei´s drum, im Ausgang sitzen Übertrager von Lundahl (LL1660, Ü=4,5:1) und verhelfen der guten, alten Cas zur Höchstform. Der Preamp läuft nach annähernd zwei Wochen nun auch brummfrei; Gegenkopplung gibt es - natürlich - keine.
 
 
Rückansicht: unter den Hauben links und rechts befinden sich die Übertrager 
 
Die Verstärkung beträgt "nur" ca. 3 dB (also ca. 1,4-fach), der Ausgangswiderstand 200 Ohm. Wie so oft ist diese Auslegung perfekt für Endstufen mit hoher Eingangsempfindlichkeit und hohem Verstärkungsfaktor (siehe auch hier und hier). Meistens würde ja ein Impedanzwandler (V=1) voll ausreichen; ein weiterer Vorteil liegt auf der Hand: Der Pegelregler kann fast immer in einem weiten Bereich zwischen 9 und 3 Uhr "laufen", dort, wo die größte Kanalgleichheit gegeben ist.
 
Im Folgenden noch etwas Messtechnik: Frequenzgang, Klirr und Klirranalyse für die Cas von Siemens und Valvo. Die Siemens schneiden etwas besser ab als die Valvos:
  
 
Frequenzganz für die Cas (Siemens)

 
Klirr über Frequenzgang für Cas (Siemens)

 
Klirranalyse für Cas (Siemens) bei 2 kHz
 

Frequenzganz für die Cas (Valvo)
 

Klirr über Frequenzgang für Cas (Valvo)

 
Klirranalyse für Cas (Valvo) bei 2 kHz
 
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann den Preamp natürlich nachbauen. Hier ist der Schaltplan:
 
 
Vielen Dank, Björn, für die wieder einmal erstklassige Dokumentation!