Donnerstag, 29. Dezember 2011

Die Sache mit zu viel Gain...

Die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit ist eigentlich kein Problem der bisweilen hohen Eingangsempfindlichkeit von SET per se, sondern ein Problem von zu viel Gain in der gesamten Verstärkungskette. Viele aktuelle Vorverstärker haben einen sehr hohen Gesamtverstärkungsfaktor; so verfügen beispielsweise alle Audio Note (UK) Vorverstärker, mit denen ich sehr vertraut bin, in der Phonostufe 37 dB und in der Linestufe 23 dB, in Summe also 60 dB Gesamtverstärkung (entspricht Faktor 1000!). Vergleichbare Vorverstärker weisen hier ähnliche Größenordnungen auf.

Hintergrund ist die Entwicklung im Bereich der Hochpegelquellen, insbesondere seit dem Erscheinen der CD-Spieler: Diese haben in der Regel 2 V Ausgangsspannung - genug, um eine Endstufe sogar direkt anzutreiben. In den 70er-Jahren hatten Hochpegelquellen demgegenüber typischerweise nur zwischen 250 und 300 mV Ausgangsspannung, was auch die hohe Eingangsempfindlichkeit vieler SET erklärt - die meisten dieser Konzepte stammen ja aus dieser Zeit (danke für die Info, Thomas). Um die Pegelunterschiede zwischen Phono und Hochpegel etwas anzugleichen (ansonsten erscheint die Schallplatte nach Umschalten von CD auf den Phonoeingang bei gleicher Pegelstellung erheblich leiser), wird das Phonosignal nunmehr auf eben dieses Spannungsniveau angehoben. Die vorgenannten 37 dB Gain einer Phonostufe entsprechen einem U-Ratio (Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangsspannung) von knapp 71. Ein typischer MM-Tonabnehmer generiert ein Ausgangssignal von ca. 4 mV, d.h., nach der RIAA-Entzerrung geht das Signal dann mit knapp 0,3 V in die Linestufe und kommt nach weiteren 23 dB Line-Gain (ca. Faktor 14) mit ca. 4 V aus dem Line-Ausgang... Viel zu viel für die für SET typische Eingangsempfindlichkeit von deutlich unter 0,5 V für Vollaussteuerung. Die Folge: Ein nicht praxisgerechter Regelbereich des Pegelstellers.
 
 
 
 
Nicht mehr Gain als nötig

Ich plage mich nun schon seit geraumer Zeit mit dem Umstand, durch die oben beschriebene Problematik keinen vernünftigen Regelbereich des Pegelstellers der Vorstufe zu haben. Viele japanische SET-Konzepte - so auch die Uchida - haben im Endstufeneingang Pegelsteller zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. Damit wird aber nur das Eingangssignal stark gedämpft (und damit Energie vernichtet). Dass eine Position der Pegelsteller der Endstufe auf "9-10 Uhr" klanglich nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, dürfte einleuchten. Was also tun?
 
Die zwischenzeitlich von mir erwogene Option, die ersten beiden Verstärkerstufen der Endstufe parallel zu schalten (Eingangs- und Treiberstufe - beide Systeme der ECC40) und damit eine Verstärkungsstufe "auszuschalten" - also weniger Gain in der Endstufe zu haben -, könnte weitere ungewollte Probleme zur Folge haben und löst das Problem nicht wirklich.
 
Nach intensivem Austausch mit Uli Apel (danke, Uli!) bin ich nun soweit, einfach eine reine RIAA-Stufe direkt an die Endstufe zu klemmen. TA ab ca. 2,5 mV Ausgangsspannung reichen aus, um die notwendigen 150 mV für eine Vollaussteuerung der Endstufe zu produzieren. Die Eingangspegelregler der Endstufe fungieren dann als Lautstärkeregler, die Endstufe quasi als Vollverstärker. Das Verhältnis von Ausgangsimpedanz RIAA-Stufe (<5 kOhm) zu Eingangsimpedanz Endstufe (100 kOhm) von >20 ist dabei noch ok.

Sobald ich fundierte praktische Erkenntnisse gesammelt habe, werde ich wieder berichten.

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