Samstag, 31. Dezember 2011

Vorbereitungen für den Silvesterabend

Nein, das ist natürlich keine Platte aus Vinyl, sondern aus Sicherheitsglas vom Hersteller Joseph Joseph (UK). Ein tolles Weihnachtsgeschenk meiner Kinder und ein wirklich nettes Gimmick zum Zubereiten, Servieren oder als Untersetzer - damit gehen die Silvestervorbereitungen doch gleich leichter von der Hand...
 
 
Ich wünsche Euch allen einen Guten Rutsch und alles Gute für das Jahr 2012!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Die Sache mit zu viel Gain...

Die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit ist eigentlich kein Problem der bisweilen hohen Eingangsempfindlichkeit von SET per se, sondern ein Problem von zu viel Gain in der gesamten Verstärkungskette. Viele aktuelle Vorverstärker haben einen sehr hohen Gesamtverstärkungsfaktor; so verfügen beispielsweise alle Audio Note (UK) Vorverstärker, mit denen ich sehr vertraut bin, in der Phonostufe 37 dB und in der Linestufe 23 dB, in Summe also 60 dB Gesamtverstärkung (entspricht Faktor 1000!). Vergleichbare Vorverstärker weisen hier ähnliche Größenordnungen auf.

Hintergrund ist die Entwicklung im Bereich der Hochpegelquellen, insbesondere seit dem Erscheinen der CD-Spieler: Diese haben in der Regel 2 V Ausgangsspannung - genug, um eine Endstufe sogar direkt anzutreiben. In den 70er-Jahren hatten Hochpegelquellen demgegenüber typischerweise nur zwischen 250 und 300 mV Ausgangsspannung, was auch die hohe Eingangsempfindlichkeit vieler SET erklärt - die meisten dieser Konzepte stammen ja aus dieser Zeit (danke für die Info, Thomas). Um die Pegelunterschiede zwischen Phono und Hochpegel etwas anzugleichen (ansonsten erscheint die Schallplatte nach Umschalten von CD auf den Phonoeingang bei gleicher Pegelstellung erheblich leiser), wird das Phonosignal nunmehr auf eben dieses Spannungsniveau angehoben. Die vorgenannten 37 dB Gain einer Phonostufe entsprechen einem U-Ratio (Verhältnis von Eingangs- zu Ausgangsspannung) von knapp 71. Ein typischer MM-Tonabnehmer generiert ein Ausgangssignal von ca. 4 mV, d.h., nach der RIAA-Entzerrung geht das Signal dann mit knapp 0,3 V in die Linestufe und kommt nach weiteren 23 dB Line-Gain (ca. Faktor 14) mit ca. 4 V aus dem Line-Ausgang... Viel zu viel für die für SET typische Eingangsempfindlichkeit von deutlich unter 0,5 V für Vollaussteuerung. Die Folge: Ein nicht praxisgerechter Regelbereich des Pegelstellers.
 
 
 
 
Nicht mehr Gain als nötig

Ich plage mich nun schon seit geraumer Zeit mit dem Umstand, durch die oben beschriebene Problematik keinen vernünftigen Regelbereich des Pegelstellers der Vorstufe zu haben. Viele japanische SET-Konzepte - so auch die Uchida - haben im Endstufeneingang Pegelsteller zur Anpassung der Eingangsempfindlichkeit. Damit wird aber nur das Eingangssignal stark gedämpft (und damit Energie vernichtet). Dass eine Position der Pegelsteller der Endstufe auf "9-10 Uhr" klanglich nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, dürfte einleuchten. Was also tun?
 
Die zwischenzeitlich von mir erwogene Option, die ersten beiden Verstärkerstufen der Endstufe parallel zu schalten (Eingangs- und Treiberstufe - beide Systeme der ECC40) und damit eine Verstärkungsstufe "auszuschalten" - also weniger Gain in der Endstufe zu haben -, könnte weitere ungewollte Probleme zur Folge haben und löst das Problem nicht wirklich.
 
Nach intensivem Austausch mit Uli Apel (danke, Uli!) bin ich nun soweit, einfach eine reine RIAA-Stufe direkt an die Endstufe zu klemmen. TA ab ca. 2,5 mV Ausgangsspannung reichen aus, um die notwendigen 150 mV für eine Vollaussteuerung der Endstufe zu produzieren. Die Eingangspegelregler der Endstufe fungieren dann als Lautstärkeregler, die Endstufe quasi als Vollverstärker. Das Verhältnis von Ausgangsimpedanz RIAA-Stufe (<5 kOhm) zu Eingangsimpedanz Endstufe (100 kOhm) von >20 ist dabei noch ok.

Sobald ich fundierte praktische Erkenntnisse gesammelt habe, werde ich wieder berichten.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Fröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich wünsche allen Lesern besinnliche und vor allen Dingen stressfreie Weihnachtstage. Das Jahr neigt sich dem Ende, das Blog wird ein Jahr alt und jede Menge neuer Ideen warten darauf, aufgeschrieben - "gebloggt" - zu werden. Bisweilen ist die Zeit mein ärgster Feind - wäre sie nicht so gnadenlos, wären tiefschürfendere, umfassendere Berichte möglich, als es mir bislang gelang. Aber wie immer zählen keine Ausreden!
    
     
Zu Hause steht alles im Zeichen des Weihnachtsfests - ob die Familie allerdings meinen Beitrag zum Baumschmuck durchgehen lassen wird, ist derzeit noch ergebnisoffen. Aber es wird gemunkelt, dass der Weihnachtsmann evtl. Röhren unter den Baum legen wird... Sollte sich das bewahrheiten, werde ich zu gegebener Zeit berichten.
   
 
In meinem Refugium allerdings hat die Familie kein Mitspracherecht hinsichtlich der Weihnachtsdeko! Ok, und auf der Endstufe Staub putzen könnte ich auch mal wieder.

Samstag, 17. Dezember 2011

Die Sache mit der Eingangsempfindlichkeit...

Wer im Laufe seines Hifi-Lebens bereits einige Vor- und Endstufen miteinander kombiniert hat, wird es sicherlich kennen: Bereits auf "8 bis 9 Uhr" des Pegelreglers an der Vorstufe brüllt einen die Musik aus den Boxen derart laut an, als wolle sie einen Föhn ersetzen. (Das passiert einem sicher nicht bei "Leisesprechern" mit 8x dB/W/m Wirkungsgrad, aber solche Fehlkonstruktionen möchte ich an dieser Stelle bewusst außer Betracht lassen.)
 
Bei der erstmaligen Inbetriebnahme meiner Sun Audio Uchida erlebte ich genau den beschriebenen Effekt. Wie im Grunde alle Single Ended Trioden (SET) japanischer Provenienz verfügt auch die Uchida über (klanglich unbedenkliche, aber praktische) Eingangspegelregler - dreht man diese "zu", so lässt sich das Problem abmildern, jedoch nicht lösen. Schließlich dienen diese Eingangspegelregler zum Ausgleich etwaiger Kanalunterschiede als eine Art Balanceregler (und sei es, um raumakustische Effekte auszugleichen) bzw. haben die Funktion, einen optimalen Regelbereich des Vorverstärkers zu ermöglichen. Dass die Eingangspegelregler der Endstufe dazu allerdings ihrerseits auf "9 Uhr" stehen, ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders. Was läuft also falsch?
 
 
Spezifikationen der Sun Audio Uchida; Quelle: Sun Audio Japan
 
Die meisten Vorstufen liefern Ausgangsspannungen zwischen 1 und 2 V; die Eingangsempfindlichkeit der Uchida liegt jedoch bei 0,15 V für Vollaussteuerung. Das bedeutet  also, dass selbst bei Vollaussteuerung vom 1,5 V-Signal der Vorstufe noch 90% "vernichtet" werden, gleichbedeutend mit einer Herabsetzung des Signals um 20 dB! Es wird noch grausamer: Wer hört schon dauerhaft (oder jemals) bei "Vollgas"? Niemand. In der Praxis klingen SET ideal, wenn sie im Bereich zwischen 10 und 25% ihres Volllastbereichs laufen - mit Lautsprechern zwischen 92 und 96 dB/W/m dürfte das in den meisten Hörumgebungen auch der Bereich sein, in dem sie von ihren Besitzern betrieben werden. Bei 10% der Nennleistung verliere ich also nochmal 20 dB, in Summe also 40 dB meines Eingangssignals... Klanglich förderlich ist das sicher nicht.
 
Das Paradoxe: Die meisten SET-Konzepte laufen dreistufig, d.h. sie verfügen über eine Eingangsstufe, eine Treiberstufe und über die Ausgangs- oder Leistungsstufe mit ihrer (Leistungs-)Triode. Jede Stufe verfügt über ihren eigenen Verstärkungsfaktor. Das Signal, von dem am Eingang der Endstufe bis zu 99% vernichtet wurden, wird jetzt wieder verstärkt... Unterm Strich ein ähnlicher Effekt wie der, der beim Betrieb eines LS mit einem Wirkungsgrad von 92 dB/W/m passiert: Auch hier werden immerhin noch 99% des an den LS-Klemmen ankommenden Eingangssignals in Wärme umgewandelt...
 
Was also tun?
Die niedrige Eingangsempfindlichkeit ist ein Charakteristikum der SET-Konzepte. Eine Audio Note Vindicator z.B. hat eine Eingangsempfindlichkeit von 250 mV. Frühere SET von Günter Welter waren da beispielsweise viel praxisgerechter ausgelegt: Sie verfügten über Eingangsempfindlichkeiten von 0,7 V (2A3), 0,6 V (300B) oder 0,5 V (EBIII).
 
Im Falle meiner Uchida wäre eine sinnvolle Maßnahme, auf eine Verstärkerstufe zu verzichten. Ein Triodensystem der ECC40 bildet die Eingangsstufe, das zweite die Treiberstufe - man könnte beide Triodensysteme parallel schalten, sollte dann nur auf anständig symmetriertes Matching beider Systeme in der ECC40 achten. Ich muss wohl mal mit Robert über einen Umbau sprechen...
 
P.S.:
Jedwedem Ansinnen in Richtung des Einsatzes eines Spannungsteilers (egal, ob in der Vor- oder Endstufe) ist eine Absage zu erteilen, hieße es doch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben...
Einen schönen Grundlagenartikel zum Thema Gain, Headroom and Power hat Thomas Mayer auf seinem Blog geschrieben.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

hifi tunes – „Das Lesebuch“

"Das Lesebuch" von hifi tunes ist jetzt für 30,- € erhältlich. Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk sucht – und sei es, für sich selbst – der schaue sich den Inhalt auf der hifi tunes Website einfach mal näher an. Laut Aussage der IMAGE Verlags GmbH ist "Das Lesebuch" bereits fertig gedruckt und kann ab sofort ausgeliefert werden. Die Beiträge sind für Besteller/Abonnenten natürlich wie immer ebenfalls online lesbar. Pflichtlektüre!
  
 
hifi tunes - "Das Lesebuch"

Samstag, 3. Dezember 2011

Follow-up: Röhrenvorverstärker Wall Audio Opus 88

Nach dem "Warm-up" jetzt das "Follow-up": Nachdem der Opus 88 von Wall Audio einige Zeit in meiner Kette gelaufen ist, gibt es hier nun weitere Infos. Das Gerät kostet 3.600 € und hat eine Lieferfrist von zwei bis drei Wochen. Das Schöne: Auf Anfrage bietet Wall Audio auch NOS-Röhrensätze für das Gerät an. Da ich persönlich an dem mir zur Verfügung gestellten Gerät nicht "rumfummeln" wollte, habe ich auf das Einstöpseln eigener NOS-Röhren verzichtet und es mit dem ausgelieferten Röhrensatz betrieben (EH, JJ, Tesla).
  
Der bereits zuvor erwähnte Hi-Z Output, der eine Anpassung an die Eingangsempfindlichkeit der Endstufe erlaubt (vor allem bei SET interessant), wird über das Lautstärkenpoti geregelt. Ich habe allerdings den (nicht regelbaren) Lo-Z Output genutzt und die Anpassung über die Potis an meiner Uchida vorgenommen.
   
   
Phonoboard:
Die MM-Eingangsimpedanz beträgt praxisgerechte 47 kOhm bei 2,5 mV max. Output. Wall Audio bietet aber Stecker für die "Load"-Buchsen mit verschiedenen Widerständen zur Anpassung des MM-Eingangs an. Ich habe meinen Funk Firm Vector 3 mit dem Ortofon OM 40 Super problemlos ohne weitere Anpassung direkt an den MM-Eingang angeschlossen.
 
Der MC-Gain beträgt 0,25 mV max. Output bei einer Eingangsimpedanz ab 3 Ohm. Die im MC-Zweig vorhandenen Übertragerdosen haben ein Verhältnis von 1:10.
 
  
Glühendes Quartett, von links nach rechts: Gleichrichter EZ80, nachfolgend DC-Stabilisator mit 6C19P (Leistungstriode), EF80 (Gleichspannungsverstärker), ECC83 (Referenzspannung, Fehlerkorrektur).
 
 
Schön: EF80
 
Nach dem Einschalten sind die Ausgänge zunächst noch stumm, ein Lämpchen auf der Front signalisiert das ca. 30 Sekunden dauernde "Muting", in der sich die Röhren zuerst "akklimatisieren" und ihre Kathoden in Ruhe vorheizen dürfen - Röhren schonend!
 
Das ausgelagerte Netzteil macht sich positiv bemerkbar, es gibt nicht das geringste Trafobrummen, alles ist mucksmäuschenstill - sehr gut! Im Leerlauf ist weiterhin zu konstatieren, dass das Rauschniveau sehr niedrig ist.
   
     
Röhren-Romantik...   
 
     
...aber bei Licht sieht man besser!
   
   
Hochwertige Bauteile: 1:10 MC-Übertrager, Mundorf Caps, Oil Caps
 
Nach ca. 20 Stunden war das frisch gefertigte Gerät einigermaßen eingespielt und die Röhren eingebrannt. Hauptcharaktereigenschaft des Opus 88 ist nach meinem Eindruck eine stark ausgeprägte Neutralität. Das gesamte Frequenzspektrum wird homogen beackert, gleichwohl ist es tendenziell etwas heller ausgeleuchtet als beispielsweise bei Audio Note-Vorverstärkern (M1, M2), die dafür einen latent etwas fett(er)en Oberbass bieten. Geschmackssache!
 
Feinste klangliche Verästelungen und Details werden sehr präzise wiedergegeben, ohne überanalytisch daherzukommen. Dabei baut der Opus 88 das Klangbild nicht unbedingt aus der Mitte heraus auf. Im Keller überzeugt ein substanzieller, dennoch klarer und präziser Bassbereich. Rhythmusgefühl, Tempo - alles passt! Stimmen kommen gut durchhörbar und fein aufgelöst, dabei ohne klebrigen Zuckerguß. Weiter möchte ich meine Klangbeschreibungen gar nicht ausführen: Sie sind grundsätzlich stets subjektiv und stark von der eigenen Kette, dem Hörraum und der gespielten Musik geprägt bzw. abhängig. Mir hat der Opus 88 jedenfalls außerordentlich gut gefallen.
 
Mit dem Opus 88 kommt endlich einmal wieder ein "richtiger" Vorverstärker daher - nämlich einer mit (klasse) Phonoteil. Ich kann reinen Hochpegelvorverstärkern rein gar nichts abgewinnen und nicht verstehen, warum manche Hersteller überhaupt auf ein Phonoteil verzichten. Zudem tummelt sich der Opus in einer preislich attraktiven Klasse, in dem es nicht viele vergleichbare Geräte gibt.
  
Von mir gibt´s für den Opus 88 jedenfalls eine dicke Empfehlung. Jeder, der auf der Suche nach einem Vorverstärker bis ca. 5.000 € ist, für den ist die Inaugenscheinnahme des Opus 88 Pflicht! Herr Andreas Wall ist übrigens ein sehr freundlicher, rühriger Durchblicker seines Fachs, der mir viele interessante Infos und Einblicke in sein Gerät gewährte und dem ich dafür an dieser Stelle besonders danken möchte.

Sonntag, 27. November 2011

Röhren-Maniac auf Abwegen

Spätherbst, Ende November 2011, irgendwo in Deutschland. Karl war nervös, als er mit seinen Vorbereitungen begann. Schließlich war er ja gar kein Krimineller, verfügte im Grunde nicht einmal über ein gerüttet Maß krimineller Energie. Fand er jedenfalls selbst. Karl wollte es unbedingt allein durchziehen, obwohl er ahnte, dass es womöglich schwieriger werden würde als mit einem Komplizen. Aber er wollte nicht teilen und auch keine Mitwisser haben. Auf Ärger konnte er verzichten.
 
Heute war Dienstag. Fast auf den Tag genau sieben Wochen war es nun her, als er von den Objekten seiner Begierde erstmals erfuhr - seitdem fand Karl einfach keine Ruhe mehr. Der Einbruch war bis ins Detail geplant. Er wollte grundsätzlich keine Gewalt gegenüber Personen oder Tieren wie z.B. Hunden anwenden, das schloss er kategorisch aus, aber das würde auch nicht notwendig werden. Das Haus sah verlassen aus, genau, wie er es erwartet hatte. Selbst schuld, dachte Karl, der sich immer noch über die ihm von Herrn H. auf der Messe entgegengebrachte Offenherzigkeit wunderte. Dabei waren sie sich noch nie zuvor begegnet, aber in der Szene war es ja nicht ungewöhnlich, schnell Vertrauen zu fassen; die gleichen Interessen zu teilen, verbindet eben. Herr H., der mit seinen vorgeblichen Besitztümern auf der Messe ganz schön rumgeprotzt hatte, schien tatsächlich verreist zu sein - so, wie er es erzählt hatte. Ägypten.
 
Karl hatte bei seinen Planungen das Problem gehabt, dass er keine Ahnung hatte, wie Herr H. wohnte: Wohnung, Reihenhaus oder Einfamilienhaus? Die Stadt war 230 Kilometer von seinem eigenen Wohnort entfernt und er war niemals zuvor dort gewesen. Die Adresse allein, die auf der Visitenkarte stand, nützte ihm wenig, allerdings half ihm bei diesem Problem Google Street View weiter: Tatsächlich wohnte Herr H. in einem allein stehenden Einfamilienhaus in einer scheinbar relativ ruhigen Siedlung. Die Bilder im Internet verrieten ihm weiterhin, dass das Haus etwas zurückgesetzt stand und offenbar unterkellert war. (Karl selbst hatte Google damals klugerweise die Veröffentlichung von Bildern seines Hauses untersagt.)
 
Endlich war Karl auf der Rückseite des Hauses angelangt und kniete vor einem Kellerfenster. Er drückte den Saugnapf in der Nähe des Rahmens auf die Scheibe und zog mit dem Glasschneider kräftig einen Kreis. Einfacher als gedacht ließ sich der Kreis nach innen drücken und das Glas fiel ohne allzu großen Krach herunter. Dennoch hielt er kurz inne, um zu horchen, ob sich im Haus daraufhin etwas tat. Es blieb völlig ruhig. Dass die Haftkraft des Saugnapfes ausreichen würde, die kreisrunde Glasscheibe nach außen zu ziehen, hatte er auch nicht wirklich erwartet. Er langte durch das Loch, öffnete den Riegel und stieß das Fenster nach innen auf. Karl war angespannt, spürte seinen Puls in jeder Faser seines Körpers.

  
Karl leuchtete mit der Taschenlampe in den Raum hinein. Der Bereich unterhalb des Fensters war frei und er schlüpfte, nein, krabbelte eher durch das Fenster am Boden in den Kellerraum hinein. Er orientierte sich im Raum und ging auf die Tür zu. Sie war offen! Er ging weiter durch den Kellerflur, sah die Treppe, ging hinauf und gelangte wieder zu einer Tür, die sich ebenfalls öffnen ließ. Offenbar war Herr H. grundsätzlich recht unbedarft...
  
Mit seiner Taschenlampe leuchtete er diszipliniert grundsätzlich nur in Bodennähe und seine Turnschuhe erlaubten ihm leise Schritte. Seine Uhr zeigte 02:36. Karl vermutete die Schätzchen, deretwegen er gekommen war, im Wohnzimmer. Und tatsächlich: Da stand er, der Humidor. Herr H. hatte die Wahrheit gesagt, er hatte Karl auf der HiFi-Messe erklärt, dass er – und vor allem, warum er – seine wertvollsten Trioden in einem großen Humidor unter kontrollierten Bedingungen aufbewahrte. Der Typ war auf eine fast liebenswerte Weise echt völlig durchgeknallt!
  
Wie elektrisiert öffnete Karl den Humidor und jauchzte leise vor Entzücken, als er zwei Pärchen Marconi bzw. GEC PX25, ein Pärchen Telefunken AD1, eine Schachtel mit acht Telefunken ECC803S, zwei alte Pärchen Western Electric 300B, ein Pärchen WE 421A sowie ein Pärchen Raytheon 2A3H herausnahm und in seinem Rucksack verstaute. Der Humidor war nun leer. Er sah sich weiter im Raum um und entdeckte etliche feine Hifi-Gerätschaften, unter anderem eine schöne Shindo 64B Push-Pull-Mono-Endstufe mit 6B4G-Trioden. Karl war zunächst versucht, auch diese Röhren abzustöpseln und mitgehen zu lassen (ihn juckte es sogar kurz, sich gleich beide Monos unter die Arme zu klemmen, ungeachtet der praktischen Schwierigkeiten), ließ es dann in einem Anflug von Mitleid aber sein und trat mit seiner restlichen Beute den Rückzug an. Er hatte seinem Trioden-Sammelzwang nachgegeben, weil er einfach nicht anders konnte und hatte diesen Einbruch durchgezogen. Echte Trioden-Maniacs würden´s verstehen, dachte er für sich. Aber er wollte nicht zu gierig werden. Schließlich war Herr H. eigentlich doch ganz nett gewesen und er wollte ihm die Vorweihnachtszeit nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub nicht völlig versauen - so konnte er immerhin noch mit seiner 64B hören...

Samstag, 26. November 2011

Warm-up: Röhrenvorverstärker Wall Audio Opus 88

Für einen Test ist gerade eben der neue Röhrenvorverstärker von Wall Audio, der Opus 88, eingetroffen.
  
Komfortabel:
Phono MM und MC, per Kippschalter umschaltbar, MC über Step-up Transformer, Load-Buchsen zur Anpassung der Eingangsimpedanz (MM).
 
Heimelig:
Beleuchtung der Front in zwei Helligkeitsstufen oder ganz abschaltbar.

  
Bestimmt auch komfortabel:
Solide Universal-Fernbedienung - die bleibt allerdings gleich im Karton und daher ohne Foto. Für mich persönlich sind Fernbedienungen überflüssig.
  
Vielversprechend: 
Netzteil in separatem Gehäuse mit EZ80 (Gleichrichter) sowie DC-Stabilisator bestehend aus ECC83 (1. System Referenzspannung, 2. System Fehlerkorrektur), EF80 (Gleichspannungsverstärker) und 6C19P (Leistungstriode).
 
   
Mehr als ausreichend:
Zwei Hochpegeleingänge (Aux, CD).
   
Gutes Zusammenspiel mit Single-Ended Trioden garantiert:
Zwei Ausgänge mit unterschiedlichen Ausgangspegel-Niveaus; einer von beiden zudem regelbar. Das kommt der Anpassung an die hohe Eingangsempfindlichkeit von SET sehr entgegen, gehobene Zimmerlautstärke auf "8 Uhr" wird damit vermieden.
 
           
Röhren:
Hochpegelsektion mit 2x ECC88 und 2x E88CC; Phonoboard mit 2x ECC82, 3x ECC83, 1x ECC803S. Wer also eine Substitution der Röhren von JJ, EH oder Tesla gegen NOS-Derivate plant, kalkuliere etwas zusätzliches Budget ein.
 
Sonstiges:
Sehr solider Aufbau der Gehäuse, Platinenaufbau, hochwertige Bauteile (z.B. Mundorf, selektierte Oil Caps).
 
Der Opus läuft sich erstmal ein wenig warm und freundet sich mit "Uschi" an; demnächst gibt´s dann Details und Klangeindrücke.

Sonntag, 20. November 2011

Auditorium 23 Provence - eine längst überfällige Huldigung

Welcher Breitbandfan kennt sie nicht: die Auditorium 23 Hommage SoloVox oder die Rondo - nicht zuletzt aufgrund der Berichterstattung eines gewissen RK in der image hifi. Beide stammen von Keith Aschenbrenner und behausen den berühmten PHY-HP H21 LB 15, den man mag oder eben nicht; dazwischen scheint es nicht viel Spielraum zu geben.
 
Aber um keinen der beiden Lautsprecher soll es heute gehen, sondern um einen der schönsten jemals gebauten Lautsprecher, dem nie die gebührende Anerkennung zuteil wurde: die Auditorium 23 Provence. Die Gehäuse selbst wurden übrigens von Norbert Gütte (=> Fa. LignoLab) geschreinert.
 
 
Wenn ich mich recht entsinne, gab es Ende der 1990er Jahre etliche Anzeigen, in denen die Provence beworben wurde, jedoch nie einen Test. Dabei klingt die Provence in den Ohren nicht weniger besser als z.B. die Rondo, die damals genauso viel kostete - beide Lautsprecher gab es eine Zeit lang parallel.
 
 
 
Auch in diesem Gehäuse läuft der Salabert-Treiber selbstverständlich ohne Filter - einem guten Treiber schneidert man ein passendes Gehäuse auf den Leib, mehr nicht. Lästermäuler würden der Querstrebe auf dem oberen Bild die Funktion einer Kleiderstange zubilligen; Auskenner wissen es besser, nämlich, dass an dieser Stelle ganz gezielt Gehäuseresonanzen unterbunden werden. Auffällig sind zudem die rechteckigen Öffnungen im Boden.
 

   
Die Gehäusedimensionen erinnern an eine mittelgroße Kommode und integrieren sich wohl in nahezu jedes Wohnraumambiente. Auch wenn ich mich (gerne) wiederhole: Für mich ist die Auditorium 23 Provence einer der schönsten jemals gebauten Lautsprecher - warum baut heutzutage niemand mehr solche Gehäuse?!

Edit 08.12.2015
Für Interessierte hier die Maße der Provence:

Freitag, 11. November 2011

Tung-Sol 2A3 Dual-Monoplate

Dieses Pärchen Tung-Sol 2A3 kommt "echt NOS"  und jungfräulich aus den zugegeben nicht mehr ganz taufrischen Schachteln. Es wurde Anfang der 1950er-Jahre produziert und offenbart bei Betrachtung gegen das Licht, dass es sich tatsächlich um ein Pärchen Dual-Monoplates handelt, d.h., beide Triodensysteme haben eine separate Anode.
 
Im Laufe der Zeit verliert man zwar hin und wieder den Überblick, aber dieses Pärchen erinnerte mich an die bereits im Januar (2011) hier im Blog gezeigte  Ken-Rad 2A3 Dual-Monoplate und ein Vergleich ergab, dass der innere Aufbau beider Derivate bis auf marginale Differenzen (siehe oberes Glimmerplättchen & Aufhängung der Systeme) absolut identisch ist. Ob es sich bei den Tung-Sols evtl. sogar um "re-brandete" (furchtbar, diese Anglizismen!) Ken-Rads handelt, weiß ich nicht.
 
 
 
 
 
 
 
Auch dieses Pärchen weist die gleichen hervorragenden Eigenschaften wie die Ken-Rads auf, was bei quasi identischem Aufbau auch nicht wirklich verwundert: extrem geringer Brumm, keinerlei Nebengeräusche, extrem geringe Mikrophonie-empfindlichkeit und sehr geringes Rauschen.
 
Der Klang
Nun, ich könnte die Beschreibung der Ken-Rad 2A3 erneut herunterbeten, denn sie trifft exakt auf diese Tung-Sols zu - nur hat davon niemand etwas. Vielmehr möchte ich versuchen, sie ein wenig spezifischer im Vergleich zu anderen Derivaten einzuordnen.
  
Sie liegen klanglich nicht direkt zwischen RCA und Sylvania, sondern vereinen eher die Vorteile beider: RCA betont ja eher die Frequenzextreme, ist tendenziell analytischer als andere 2A3-Röhren und baut das Klangbild nicht so sehr von der Mitte her auf, klingt dabei gerade im Stimmenbereich etwas "grobkörniger" und "rauer". Sylvanias hingegen lösen nicht ganz so sehr auf, klingen aber seidiger und feiner und das Frequenzspektrum erscheint nicht so "auseinandergerissen", mehr aus der Mitte heraus, musikalische Zusammenhänge bleiben besser erhalten.

Die Tung-Sol ist (für eine 2A3, nicht absolut gesehen) extrem neutral, nimmt sich aus dem Geschehen zurück und spielt einfach Musik, sie lenkt nicht durch "eigene Interpretationen" ab. Dabei steigt sie tief in den Keller bzw. klettert "hoch hinaus", ohne dass es vordergründig wirkt. Schlacken- und allürenlos, bei extrem niedriger Störgeräusch-Grasnabe - eine wirklich tolle 2A3 ohne Zuckerguss und Euphonie!

Freitag, 4. November 2011

Breitbänder vs. Mehrwegelautsprecher: Registerverblendung

Hin und wieder werde ich gefragt, warum ich (Fullrange-)Breitbändern den Vorzug gebe gegenüber Mehrwegesystemen - viele vermuten, sie passten einfach besser in den "historischen Kontext" im Verbund mit Single Ended Trioden und seien von diesen leichter anzutreiben. Aber das ist nicht der Grund - mir ist der gute Klang grundsätzlich wichtiger als purer Dogmatismus.

Vielmehr klingen Breitbänder für mich "aus einem Guss", einfach kohärent - aber was heißt das eigentlich? Bei allen Vorteilen, die Mehrwegesysteme ja grundsätzlich bieten (können), leiden sie unter dem Phänomen der "Registerverblendung", welches Heinz Gelking bereits in einem Artikel in hifi tunes - Das Lautsprecherbuch umrissen hat und dessen eingeführte Begrifflichkeit ich gerne übernehmen möchte. Dabei geht es um die Tatsache, dass sich jeder Ton aus einem Grundton (k1) und seinen Obertönen (k2, k3, k4,...) zusammensetzt. Bei Mehrwegelautsprechern werden bestimmte Töne - abhängig von der Übergangsfrequenz zwischen zwei Treibern - also nicht nur von einem Treiber wiedergegeben, sondern von zwei Treibern.

 
Wird also beispielsweise über ein Zweiwegesystem mit einer (hypothetischen) Trennfrequenz bei ca. 1 kHz der Kammerton A (440 Hz) wiedergegeben, so liefert der Tiefmitteltöner die Grundfrequenz (k1) und den ersten Oberton (k2, 880 Hz; 2. Harmonische). Der Mittelhochtöner dagegen spielt alle Obertöne ab dem zweiten (k3, 1.320 Hz; k4, 1.760 Hz; usw.). Das Ohr nimmt die aus unterschiedlichen Richtungen ankommenden Frequenzen, die in ihrer Gesamtheit die charakteristische Klangfarbe eines Tons ergeben, sehr wohl wahr. Darüber hinaus bedeutet eine Trennfrequenz bei 1 kHz ja nicht, dass der Tiefmitteltöner Töne über 1 kHz bzw. der Mittelhochtöner Töne unterhalb 1 kHz nicht mehr wiedergeben - sie tun das, je nach Flankensteilheit des Filters, nur entsprechend leiser, so dass in unserem Fallbeispiel selbst k3 noch vom Tiefmitteltöner bzw. k2 vom Mittelhochtöner wiedergegeben werden.

Unser archaisches, in Jahrtausende langer Evolution durch die Umwelt geprägtes Gehirn ist durch die unterschiedlichen Richtungen ein und desselben (Teil-)Tons irritiert und "investiert" sehr viel "Rechenleistung", um diesen Makel zu kompensieren. Das gelingt zwar auch, allerdings nur um den Preis angestrengteren bzw. anstrengenderen Hörens - es klingt halt nicht wie "aus einem Guss".

Fullrange-Breitbänder (und im Grunde auch Koaxe) sorgen dafür, dass man sich mit diesem psychoakustischen Phänomen nicht plagen muss. Sicherlich kein Grund, Mehrwegesysteme grundsätzlich zu verteufeln und auch nur einer von vielen Aspekten - aber Grund genug für mich, diesbezüglich einfach mal einen Denkanstoß geben zu wollen.
 
Follow-up

Samstag, 29. Oktober 2011

Highly recommended tube dealer: Tube-Audiodesign Kassel

Röhrenkauf ist Vertrauenssache - umso schöner, dass es Röhrenhändler wie Tube-Audiodesign Kassel gibt. Thomas Schwärzel führt eine Menge gängiger Vor- und Endröhren sowie viele Gleichrichter - übrigens neben einem breiten Angebot elektrischer Bauteile und sonstigem Zubehör für unser Hobby - und das zu sehr, sehr fairen Preisen!

 
Ich persönlich habe außerordentlich positive Erfahrungen mit einigen 2A3-Röhren gemacht, die ich bei Tube-Audiodesign gekauft habe; die Messwerte waren exakt wie angegeben und die Preise mehr als fair. Klar, es gibt (andere) Tube-Dealer, die vielerorts ordentlich die Werbetrommel rühren, auf ihren bunten Webseiten alle möglichen komfortablen Bestelltools offerieren, leider kaum noch NOS-Röhren anbieten - und einem im gleichen Atemzug weismachen wollen, zwischen den neuen JJ´s und den alten Valvos bestünde doch gar kein Unterschied...

Herr Schwärzel hat all das nicht nötig, er besticht durch erstklassige und ehrliche Beratung, hervorragende Kommunikation, einen Top-Service, er liefert auf Wunsch auch das eine oder andere Bild einer Röhre per Email zusätzlich oder reserviert einem eine Röhre für gewisse Zeit. Dafür, Herr Schwärzel, mein Dank an dieser Stelle und eine dicke Empfehlung! Jeder, der auf der Suche nach ECCXX-Röhren, allen möglichen Endröhren oder sogar seltenen Trioden wie AD1, RS 242 oder RE 604 ist, schaue einfach mal auf seiner Webseite vorbei.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Raytheon 2A3H Monoplate - "Nachtbilder"

Einige konstruktive Details von Röhren offenbaren sich erst in Gänze im Betrieb, wenn man sie im Dunkeln mit Makro aufnimmt. Hier also noch ein paar Herz erwärmende Bilder, die es von Transistoren oder Class D-Verstärkern so sicher nie geben wird...


Das "Vorglühen" dauert bei der 2A3H wegen der indirekten Heizung tatsächlich ungewöhnlich lange; erst nach einer guten halben Stunde (!) haben sich die Röhren thermisch stabilisiert und es gibt keine "Knackser in den Gelenken" mehr...


Schön zu erkennen: die drei Einzelsysteme


Im Dunkeln sind die Glimmerplättchen wegen der fehlenden Lichtreflexionen quasi durchsichtig


"Topview"

 
Blick "unter den Rock": (indirekte) Heizung und Kathode
 

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Raytheon 2A3H Monoplate - primus inter pares

Es hat mich viel Zeit gekostet, endlich ein gematchtes Pärchen der Raytheon 2A3H Monoplate zu ergattern - schließlich musste ich mich in Ermangelung eines adäquaten Angebots am Markt auf die Suche nach zwei einzelnen Röhren machen (eine davon fand ich bei einem kleinen, feinen Röhrenhändler in einer längst vergessenen Ecke dieser Welt in einer verschollen geglaubten Röhren-Kiste in einer jahrelang unberührten Ecke seines Lagers...). Im Vergleich zur 2A3H gibt es die "normalen" 2A3 Monoplates wie Sand am Meer!



Links gut sichtbar die drei einzelnen "Röhrchen", welche die Anodenblechhälften formen; rechts gut zu erkennen, dass eine der beiden Röhren zusätzliche Kühllamellen auf dem Anodenblech besitzt
 
Das besondere an der 2A3H ist, dass sie die einzige indirekt geheizte 2A3 ist - alle anderen 2A3, ob als Monoplate oder Dualplate, sind direkt geheizte Trioden. Bei der 2A3 ist die Wechselstromheizung die Regel -  das hat einerseits zur Folge, dass die Temperatur der kathodischen Emissionsschicht marginal im Takt der Wechselspannung schwankt und damit schwankt auch ihre Emissionsfähigkeit. Andererseits schwanken auch Anodenspannung bzw. Anodenstrom. Folge ist das typische 50Hz-Brummen, welches sich durch oft bei 2A3-Verstärkern vorhandene Symmetrierpotis (Symmetrierung der Heizspannung) reduzieren lässt. Ganz weg bekommt man es allerdings nie, und je höher der Wirkungsgrad eines Lautsprechers ist, desto deutlicher ist das Brummen ohne Musiksignal zu hören. Mich hat es nie gestört; gleichwohl gibt es deutliche Unterschiede bzgl. der Ausprägung des Brumms zwischen den unterschiedlichen 2A3-Derivaten.

Bei indirekt geheizten Trioden - wie der 2A3H - ist die Kathode im Prinzip als metallisches Röhrchen ausgeführt. Die Heizung ist hier von der Kathode entkoppelt - damit entfallen die vorgenannten Nachteile der direkten Heizung. Kehrseite der Medaille: ein etwas geringerer Wirkungsgrad - was soll´s.
 

Die Raytheon 2A3H wurde nur einige Jahre lang in den 1930er Jahren gebaut, daher ist diese Röhre so extrem selten. Sowohl Raytheon als auch National Union (NU) haben diesen Röhrentyp gebaut, wobei bei den 2A3H von NU im Unterschied zu denen von Raytheon eine Seite des Anodenblechs als Kreisbogenausschnitt geformt ist. Eine "Standard"-2A3 kann durch eine 2A3H substituiert werden und hat grundsätzlich identische elektrische Spezifikationen.


Leider ist die Garantie schon 75 Jahre abgelaufen...
Garantie-Label als Indiz für eine Produktion vor Mai 1936

   
Gerüchten zu Folge werden dieser Röhre ja geradezu sagenhafte, magische Klangeigenschaften nachgesagt - ich räume ein, dass mich das neugierig gemacht hat; einen echten Maniac lässt sowas natürlich nicht kalt.

Im Betrieb produzieren die Raytheon 2A3H tatsächlich - wie durch die indirekte Heizung zu erwarten war - signifikant weniger Brumm und Störgeräusche als jede andere mir bekannte 2A3. Dadurch hat sie eine extrem niedrige "Störgeräusch-Grasnabe", welche potenziell feinste Klangstrukturen verdeckt bzw. überlagert. Die 2A3H spielt locker auf allerhöchstem 2A3 Monoplate-Niveau verbunden mit dem Vorteil, ganz leise Signale wie Anblasgeräusche oder das Wischen von Fingern über Gitarrensaiten noch besser zu artikulieren. Zudem scheint diese Röhre vor Kraft nur so zu strotzen, jeder Ton scheint eine Extraportion Energie mit auf den Weg zu bekommen; ein Charakterzug, der meiner Erfahrung nach typisch für alle Raytheon 2A3 ist, insbesondere auch für die Raytheon 2A3 mit Doppelkasten-Anode. Alle weiteren Ausführungen zum Klang erspare ich mir, da die Suche nach geeigneten Superlativen doch ermüdend wird. Es sind schlicht die besten 2A3, die ich je gehört bzw. in meine Uchida gesteckt habe.
 



Auf dem Sockel der rechten Röhre fehlt das "H" - womöglich ein Indiz für das Produktionsjahr(?)

Ich lasse diese Röhren jetzt also in den Sockeln meiner Endstufe festkorrodieren und werde sie, bis die Kathoden ihr letztes Elektron "ausgehaucht" (emittiert) haben, laufen lassen; Tube Rolling finde ich ab jetzt langweilig, habe ich beschlossen.
 
Wird dieser Blogbeitrag nun dazu beitragen, den Kultstatus dieser Röhre zu mehren und die Preise weiter in die Höhe zu treiben? Womöglich. Wäre es daher nicht klüger gewesen zu schweigen, diese Röhre einfach nur zu geniessen und unbehelligt weitere 2A3H aufzutreiben? Bestimmt. Andererseits - vielleicht fühlt sich der eine oder andere Leser ja bemüßigt, mir seine 2A3H zum Kauf anzubieten - zum Freundschaftspreis, versteht sich. Im Impressum finden sich meine Kontaktdaten...

Sonntag, 23. Oktober 2011

Vinyl bei Saturn

Ich hätte nicht gedacht, auf meinem Blog überhaupt jemals einen Beitrag über die Elektronikkette zu schreiben, die durch ihre aktuelle Werbekampagne mit dem zur Kultfigur avancierten US-amerikanischen Boxringsprecher eine eher abstoßende Werbebotschaft vermittelt. Diese "Geiz-ist-geil"-Attitüde finde ich persönlich jedenfalls eher befremdlich, forciert sie doch die in unserer schnellebigen Welt inzwischen fest verankerte Wegwerfmentalität, nämlich den Griff zum Billigprodukt im negativen Wortsinn und konterkariert damit die Wertschätzung für langlebige Gerätschaften wie z.B. Röhrenverstärker, aber das soll jetzt gar nicht das Thema sein.
 
Vielmehr war ich sehr überrascht, als ich dieses Wochenende eher zufällig nach gefühlten Äonen mal wieder ein Geschäft vorgenannter Kette in Hamburgs Innenstadt betrat und an einer bestimmt 20 - 25 m langen Wand nichts als Vinyl erspähte! Klassik, Oldies, Rock/Pop, Alternative... alle aktuellen Platten sind erhältlich, dazu eine Vielzahl ausgesuchter älterer Scheiben aller möglichen Interpreten, innerhalb der jeweiligen Genres alphabetisch sortiert. Für mich war das neu - keine Ahnung, wie lange Saturn bereits wieder "echte Schallplatten" führt. Ich finde, das ist zumindest mal eine Erwähnung wert und darüber hinaus ein Indiz für die sich diametral entwickelnden Verkaufszahlen von Vinyl und CDs. Waren Schallplatten vielerorts ja lange Zeit ganz aus den Regalen verschwunden, wird ein Haus wie Saturn kaum aus überzeugter Verbundenheit zum Vinyl denn eher aus knallharten kaufmännischen Interessen diesen Datenträger wieder anbieten. Scheint fast so, als sollte die gute, alte Schallplatte die CD tatsächlich überleben - ich persönlich hätte jedenfalls nichts dagegen.
 
 
Meterlange Vinyl-Regale bei Saturn

Montag, 17. Oktober 2011

Highly recommended tube dealer: Brent Jessee / audiotubes.com

From time to time I would like to introduce tube dealers with whom I've had good experiences. Of course there are several important criteria but the most important one is reliability if you ask me.

Brent Jessee of audiotubes.com is very reliable: You always get a quick reply to your questions, the prices he is asking for the tubes are very fair, he has a very huge stock of partially rare tubes, the shipping is very fast and the tubes are well packed. Perfect service!
  
   
Furthermore you will find clear explanations about different brands and different designations of tubes. Let me give an example: The famous ECC83 belongs to the same family like 12AX7, 12AX7A, ECC803S, 7025, E83CC, E803CC, 6L13, 12AX7WA, B759, 6681 and 5751. Well, most of you know that, I assume. But on the audiotubes.com website you will find clear information about the different brands, the differences of their sound, and so on, and so forth.

You will hardly find such perfect service somewhere else - that´s why Brent Jessee / audiotubes.com is so highly recommended.
 
Recently I bought a very interesting, great sounding tube from Brent I like to show to you now, anyway, this pic is just an appetizer, a separate posting will follow soon:
 

Sonntag, 9. Oktober 2011

Wie laut ist laut?

Wie oft habe ich mir schon Vorurteile oder sogar Gejammer - selbst einiger Besitzer von Single-Ended-Trioden (SET) - anhören müssen, die Lautsprechersuche für SET sei so schwierig, so richtig laut ginge es nicht, und der Bass, na ja, der nicht nennenswerte Dämpfungsfaktor, und, und, und...

Bei den vorgenannten wankelmütigen Besitzern von SET handelt es sich in den meisten Fällen um Zeitgenossen, die, gefangen in ihrer rastlosen Unruhe, immer wieder einen neuen Kick (=neues Gerät, also neue Lautsprecher, die SET ist ja "gesetzt") brauchen und sowieso nie zufrieden sein oder "ankommen" werden. Impedanzkrücken mit Minima um 2 Ohm, Wirkungsgradmonster mit 87,35 dB/W/m oder Mehrwegeriche mit 38er Bässen an die arme 3-Watt-Triode klemmen - kein Problem, oder?! Man wundert sich manchmal schon. Andere wiederum scheinen einfach (falsch) konditioniert zu sein durch die fortwährende Gehirnwäsche deutscher Standard-Hifi-Gazetten, die seit Anfang der 1980er-Jahre einfach nur Bullshit über Röhrenverstärker schreiben, SET kaum bis gar nicht beachten und ansonsten die beinahe transistormäßig klingenden 0815-Röhrenamps derer mit den dicksten Werbeanzeigen hochjubeln. Kein Wunder, dass viele Hifi-Fans SET kritisch bis uninteressiert gegenüberstehen - schade!

Zeit für ein Statement!
 
Was "geht" denn eigentlich mit einer SET und wie viel Leistung brauche ich wirklich? Zunächst einmal soll folgende kurze Aufzählung ein Gefühl bzw. einen groben Anhalt für in dB angegebene Schalldruckpegel unterschiedlicher Alltagssituationen geben:

0 dB             Hörschwelle bei 2 kHz
10 dB           Blätterrauschen, ruhiges Atmen
20-30 dB      sehr ruhiges Zimmer
40-60 dB      normale Unterhaltung in 1 m Entfernung
60 dB           Fernseher in Zimmerlautstärke in 1 m Entfernung
60-80 dB      Pkw in 10 m Entfernung
80-90 dB      Hauptverkehrsstraße in 10 m Entfernung
90 dB           Gehörschäden bei langfristiger Einwirkung
100 dB         Presslufthammer in 1 m Entfernung / Diskothek
110-140 dB   Kampfflugzeug in 100 m Entfernung
120 dB         Gehörschäden bei kurzfristiger Einwirkung
134 dB         Schmerzschwelle
140 dB         Gewehrschuss in 1 m Entfernung
150 dB         Düsenflugzeug in 30 m Entfernung
 
 
Nun darf man davon ausgehen, dass die meisten unter uns Hifi-Fans sich nicht dauerhaft Diskopegel (100 dB) zufügen, sondern eher zwischen "gehobener Zimmerlautstärke" und "es mal krachen lassen" hören (Kammermusik-Fans haben mit Trioden wohl sowieso keine Probleme). Einigen wir uns daher auf 90 dB (in 1 m Entfernung), die eine Hifikette dauerhaft als Schalldruckpegel abgeben können soll, um mir (in 1 m Entfernung, ich weiß, der Hörabstand ist größer...) langfristig Gehörschäden einzuhandeln...

Streng genommen ist in der weiteren Betrachtung zu berücksichtigen, dass die jeweilige Frequenz, bei der ein bestimmter Schalldruckpegel erzielt wird oder werden soll, einen maßgeblichen Einfluss auf die vom Verstärker zu liefernde Leistung hat. Nehmen wir aber der Einfachheit halber an, unser fiktiver Lautsprecher arbeite über alle Frequenzbereiche linear und verfügt über weitgehend gutmütige Impedanz- und Phasenverläufe. Berücksichtigen wir weiterhin, dass laute Spitzen in der Musik dem Verstärker kurzfristig eine bis zu zehn Mal höhere Leistung als im Mittel abverlangen ("Impulsleistung"). Weiterhin spielt das Bündelungsverhalten bei der nun folgenden Darstellung eine Rolle, streng genommen gilt diese nämlich nur für kugelförmig abstrahlende Schallerzeuger (z.B. Kugelwellenhorn):

Lautsprecher mit Wirkungsgrad <92 dB
Fehlkonstruktion; für "High Fidelity" ungeeignet.
Hin und wieder "heilbar" mit gängigen Trioden wie z.B. 6C33C, 211, 845


Lautsprecher mit Wirkungsgrad 92 dB
Wirkungsgrad 1%.
Nötige Verstärkerleistung für 90 dB: 0,63 Watt
Nötige Verstärkerleistung für 96 dB: 2,5 Watt
Geeignete, gängige Trioden: z.B. 300B, PX25

Lautsprecher mit Wirkungsgrad 94 dB
Wirkungsgrad 1,6%.
Nötige Verstärkerleistung für 90 dB: 0,4 Watt
Nötige Verstärkerleistung für 96 dB: 1,6 Watt
Geeignete, gängige Trioden: z.B. PX4, AD1/EBIII, 2A3, RE604

Lautsprecher mit Wirkungsgrad 96 dB
Wirkungsgrad 2,5%.
Nötige Verstärkerleistung für 90 dB: 0,25 Watt
Nötige Verstärkerleistung für 96 dB: 1,0 Watt
Geeignete, gängige Trioden: z.B. VT-52, 45, 2A3 Monoplate

Lautsprecher mit Wirkungsgrad 98 dB
Wirkungsgrad 4%.
Nötige Verstärkerleistung für 90 dB: 0,16 Watt
Nötige Verstärkerleistung für 96 dB: 0,63 Watt
Geeignete, gängige Triode: z.B. VT-25

Wir SET-Fans sind ja - zugegeben - bisweilen etwas dogmatisch in unserer Sicht der Dinge, aber wie bereits zuvor genannt ist die (Art der) Triode, aus welchen Gründen auch immer, meist gesetzt. Die kurze Darstellung oben mag als Orientierung dienen, sich für seine SET auf die Suche zu machen - ob Horn, Open Baffle oder Bassreflex, ob Fullrange-Breitbänder oder Zweiwegesystem, ob... na was auch immer, idealerweise mit einer (möglichst linearen) Nennimpedanz von 8 Ohm oder höher und möglichst geringen Phasendrehungen.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich den neuerdings außerordentlich gut beleumundeten Class D-Verstärkern ablehnend gegenüberstehe - obwohl ich noch nie einen einzigen gehört habe? Nun, sie verwenden eben keine Trioden; mich interessiert einfach nicht, wie sie klingen. Von wegen Dogma und so...

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Die Triode PX25

Die Triode PX25 ist neben der 2A3 meine heimliche Lieblingsröhre. Es gab nur sehr wenige Hersteller, die Verstärker mit dieser Röhre in Serie produziert haben. So gab es z.B. eine Zeit lang die Shindo Lafon Monoendstufen in PX25-Ausführung (vgl. hifi tunes - Das Klassikerbuch). Schließlich hat Shindo-san, der um die Endröhren seiner Verstärker nie viel Aufhebens macht und hier keine besondere Präferenz zu haben scheint, im Laufe eines Produktzyklus häufig munter Schaltungen und eingesetzte Röhren eines Verstärkers verändert.
     
  
 Shindo Lafon mit PX25; Bildquelle: pitchperfectaudio.com

Die PX25 ist bei 25 Watt Anodenverlustleistung für 5 bis 6 Watt Ausgangsleistung gut; die genauen Spezifikationen gibt es z.B. hier. Damit kommt sie leistungsmäßig fast an eine 300B heran. Die PX25 kam 1932 auf den Markt und wurde bis in die 1960er Jahre produziert, u.a. von Marconi, Osram oder G.E.C.
  
  
oben: Marconi PX25 in "Ballonform", Bildquelle: The National Valve Museum
  
  
oben: Pärchen PX25 von G.E.C. in "Ballonform"

 
oben: PX25 von Osram und G.E.C. in der späteren fast zylindrischen Form; Bildquelle: tubeworld.com

Persönlich habe ich ebenfalls vor längerer Zeit  Monoendstufen mit der PX25 besessen, und zwar das erste von fünf überhaupt gebauten Pärchen der More Fidelity Musiqa No. 5 (Music Connection), welche in der image hifi 3/99 vorgestellt worden sind. Die PX25 spielt im Vergleich zu einer 2A3 etwas nüchterner, vielleicht ehrlicher, tendenziell eher vergleichbar mit einer AD1. Nach damals langem direkten Vergleich mit der ähnlich aufgebauten More Fidelity Musiqa No. 3 (2A3, allerdings Stereoendstufe) fiel mir auf, dass die PX25 nicht so euphonisch ist wie eine 2A3, sondern besser durchhörbar; nicht ganz so "einlullend", sondern eher kraftvoll zupackend und tendenziell heller im Gesamtcharakter. Allerdings beziehen sich diese Eindrücke aus meiner Erinnerung auf PX25-Nachbauten von KR Audio; die oben abgebildeten Pretiosen hatte ich leider nicht verfügbar.
   
  
Zur Illustration meine damalige Kette mit der More Fidelity Musiqa-Serie (hier No. 1, 2 und 3) - die Geräte sahen äußerlich bis auf den Schriftzug mit unterschiedlichen Noten alle identisch aus.
  
Wer heutzutage PX25 in NOS-Qualität sucht, der schaue einfach mal bei Alto Fidelity vorbei.