Dienstag, 29. November 2016

Follow-up: Voxativ 845 vs. Cayin Spark 9084d

Im Februar 2015 berichtete ich über die mehr als auffälligen optischen Ähnlichkeiten der Mono-Endstufen Voxativ 845 und Cayin Spark 9084d. Voxativ meldete sich daraufhin sehr schnell bei mir und um weiteren Stress zu vermeiden, entschärfte ich meinen Blogbeitrag, zumal ich nicht belegen konnte, dass die "Innereien" identisch wären. Nun denn. Letztlich kauft Voxativ die Basis für seinen Amp offenbar bei einem asiatischen OEM (Original Equipment Manufacturer, übersetzt Originalausrüstungshersteller) ein - entweder direkt bei Cayin, die den Amp dummerweise auch selbst anbieten, oder bei einem Hersteller, der dummerweise eben auch Cayin beliefert. Mir wurde damals übrigens mitgeteilt, ein anderes Gehäuse sei in Planung und dieses werde den Preis nochmals anheben.
 
 
Voxativ 845 Mono-Endstufe (Foto: C. Bussler, Hamburger Hifi-Tage 2015)

Jetzt, mehr als eineinhalb Jahre später, kann ich immer noch keine Änderungen am Gehäuse erkennen (tatsächlich hatte die Frontplatte bei der Markteinführung in den USA in 2012 sogar den gleichen "Bügel" wie Cayin, siehe Newsletter 23 auf soundwaves-turntables.com oder auf 6moons.com - hier ist auf dem Foto sogar noch die Cayin-Bezeichnung "9084D" auf der Frontplatte zu sehen und "Voxativ" lediglich draufgeklebt). Allerdings hat sich der Preis tatsächlich erhöht: von 12.000 EURO auf 17.950 US$. US-Dollar?! Jawohl, denn Voxativ hat nun seinen eignen "Store" online, ausschließlich englischsprachig, alle Kurse nur in US-Dollar und Versand weltweit ex Deutschland. Ein Grund, warum ein Versand nach bzw. innerhalb Deutschland(s) nicht möglich ist, erschließt sich mir nicht. Als in Euro bilanzierendes deutsches Unternehmen binde ich mir auch noch das Wechselkursrisiko ans Bein... Das Wechselkursrisiko könnte man ja entschärfen, indem man zumindest Kunden aus Deutschland bzw. aus dem Euro-Raum den Preis in Euro ausweist/anbietet - letztlich aber nicht meine Baustelle. Vielleicht erklärt sich so der satte Aufschlag gegenüber dem damaligen Preis von 12.000 EURO, gleichwohl marschieren wir momentan beim EURO/USD Wechselkurs stramm in Richtung Parität.

Was mich zudem erstaunt ist, dass Voxativ außer den technischen Daten keinerlei Details zu seinem Verstärker auf seiner Seite angibt. Hätte ich ja schon allein aus Gründen der Transparenz gemacht. Zitat:

"Unser Flaggschiff sind die neuen Voxativ 845 Mono Endstufen. Diese wurden von unseren Ingenieuren neu entwickelt und bilden die Basis für eine ganze Serie von neuer Voxativ High End Elektronik.

Das bedeutet Single Ended Technologie mit großer Leistung und neuen Ideen. Und natürlich assembled in Germany."

That´s all, Folks. Also mal ehrlich, das ist schon ein wenig dünn. Wenigstens schreiben sie "assembled in Germany" und nicht "made in Germany"... Ein paar ergänzende Angaben gibt es immerhin auf der Shopseite. Der potenzielle Käufer fragt sich schließlich schon, mit welcher den Preis treibenden Überarbeitung (vorgeblich z.B. Tausch der Übertrager, Tausch der Netzteilkondis, geänderte Leitungsführung für Masse und Hochspannung, Interstage-Choke, Reinkupferklemmen, Röhrengleich- statt Röhrenwechselspannung) ich einen Faktor 5 (!) im Verkaufspreis rechtfertigen will. Schließlich gibt´s die optisch identischen Cayin Spark 9084d für unter 3.600 US$ (bereits inklusive Versand nach Deutschland; ok, zzgl. Zoll natürlich) auf AliExpress:





Ich möchte es mal so formulieren: Würde ich wie Voxativ im absoluten Premiumsegment Hifi-Geräte vertreiben, wäre ich sehr wohl um Individualität und optische Unterscheidbarkeit bemüht, allein, um Missverständnissen vorzubeugen. Ein Geschmäckle bleibt...


Bei den Chinesen bekomme ich ganz unten immerhin direkt online Hinweise, was ich im Umgang mit Röhrenverstärkern so alles zu beachten habe. Zugegeben wie immer in einer sehr drolligen Übersetzung: "... 5. Nicht setzen Wasser auf eine heißer Vakuumröhren, ...". SHEQ (Safety, Health, Environment, Quality) wird also auch in China bereits groß geschrieben. :-)

Mittwoch, 23. November 2016

Telefunken RE604 "Coke Bottle"

Die Triode RE604 war hier vor längerer Zeit schon einmal ein kurzes Thema. Dieses Mal kurz und knackig lediglich ein paar Bilder eines schönen Telefunken-Pärchens in der späteren "Coke Bottle" Variante; es gibt auch die noch seltener anzutreffende frühere "Balloon Shape" Version. Dem Vernehmen nach NOS und gematched, aber dafür kann ich mich nicht verbürgen, es sind nämlich nicht meine. Aber: Man kann dieses eine Pärchen erwerben - ohne jegliches Eigeninteresse vermittele ich gerne... (bei Interesse einfach eine E-Mail an mich.)







Montag, 7. November 2016

Uschi meets Orang-Utan, oder besser: Sun Audio Uchida meets DeVORE Fidelity Orangutan

Anfang dieses Jahres kontaktierte mich Arnd Rischmüller von der H.E.A.R. GmbH, dem Deutschlandvertrieb von (u.a.) DeVORE Fidelity. DeVORE... da war doch was?! Richtig, schon eine Weile her (Anfang 2011), da bin ich über die Orangutan-Lautsprecher gestolpert und ich hatte mal einen kurzen Blogbeitrag geschrieben. Jetzt ging es Herrn Rischmüller allerdings um die Uchida bzw. darum, woher man diese beziehen könne. Seine Idee: "Gehen" die Lautsprecher von DeVORE Fidelity auch mit vergleichsweise günstigen, smarten Kleinleistungstrioden wie der Uchida 2A3? Ich gab ihm also die notwendigen Kontakte und Infos und schließlich kam folgende Uchida dabei heraus:




Sein für Audiomat zuständiger Service-Techniker übernahm den Aufbau und Peter (de Bruyn) von Acoustic Dimension lieferte das Uchida-Kit sowie nützliche Tipps. Auffällig: Das linke, optisch prominente Poti regelt beide Kanäle stereo, das rechte Poti ist blind - klassischer Vollverstärkerbetrieb also. Da hatte einer wohl keine Lust, jedes Mal am linken und rechten Kanal separat zu fummeln... ;-) Was im Betrieb als Vollverstärker zugegeben in der Praxis nicht sonderlich komfortabel ist.

Arnd Rischmüller fand heraus, dass insbesondere die Modelle Orangutan O/93 und O/96 eine mehr als beeindruckende Liaison mit der Uchida 2A3 eingingen. Was beim Blick auf die technischen Daten der Lautsprecher nicht weiter erstaunt: 96 respektive 93 dB/W/m Wirkungsgrad sind schon mal anständige Voraussetzungen, aber noch kein alleiniger Garant für gutes Gelingen. Viel wichtiger ist nämlich, dass die Frequenzweichen der Zweiweger keine großen Sauereien beim Phasen- und Impedanzverlauf veranstalten. Beide Lautsprecher kommen mit einem Impedanzminimum von ca. 9 Ohm daher - da freut sich jede Single-Ended-Triode...


DeVORE Fidelity Orangutan O/96



DeVORE Fidelity Orangutan O/96



DeVORE Fidelity Orangutan O/93

Optisch gefallen mir persönlich die Orangutans ohnehin ausgesprochen gut - endlich mal wieder richtige "Boxen" im klassischen Sinne und keine dieser ausgezehrten, schlanken, schmalen Laufsteggrazien, mit denen sich viele Hersteller bei den Lebenspartnern ihrer potenziellen Kunden einzuschleimen einzuschmeicheln versuchen (=> "Wife Acceptance Factor"). Obwohl: Selbst die größere Orangutan O/96 kommt mit ihren Abmaßen von 89,0 x 45,7 x 30,5 cm (HxBxT) absolut gesehen immer noch recht schnuckelig daher. (Meine Frau dagegen muss hin und wieder "Gäste" mit dem zwei- bis dreifachen Bruttovolumen erdulden - manche DIY-Konstruktionen fordern eben ihren Tribut.)

Meiner Erfahrung nach gibt es viele Eintakt-Fans, die nicht unbedingt versierte Frickler sind und Hilfe suchend den Markt nach Hochwirkungsgradlautsprechern sondieren - oft erfolglos. Meine Empfehlung an dieser Stelle ist, sich unbedingt einmal mit den beiden Modellen O/93 und O/96 von DeVORE Fidelity zu  beschäftigen. Ich selbst habe diese Modelle noch nicht gehört, werde aber bei nächster Gelegenheit der Einladung von Arnd Rischmüller folgen und die Lautsprecher an seiner "Uschi" in Ohrenschein nehmen. Weitere Infos:

H.E.A.R. GmbH
Arnd Rischmüller
Rappstraße 9A
20146 Hamburg
Telefon: 040-413 55 882
E-Mail: kontakt@h-e-a-r.de
Web: h-e-a-r.de

Sonntag, 6. November 2016

Aus Scheiße Bonbons machen

Manchmal bedarf es einfach eines Kraftausdrucks, in diesem Fall sogar der Fäkalsprache, um die Dinge treffend auf den Punkt zu bringen... 

Kürzlich schlenderte ich mit meiner Familie durch Hamburgs City; meine Ausflüge Richtung Schanze, Kiez & Co. hatte ich freilich längst erledigt, um die einschlägigen Vinyl-Eldorados der Stadt mal wieder zu durchstöbern. In der City also mainstreamiges Kontrastprogramm zu den Szenevierteln, und dank meiner Kinder entsprechenden Alters landete ich (wie immer) auch in Geschäften, die ich sonst wohl nie betreten würde. Hippe, bei jungen Menschen als kultig geltende, weiträumige Modeläden, in denen man viel zu laut mit fetten Lounge- und Dancefloor-Beats malträtiert wird. 

Außer Klamotte werden auch allerlei Accessoires dargeboten, allerdings solche, mit denen zumindest ich ausgerechnet hier nicht rechne(te). Auf einem Tisch lagen zusammen mit bunten Umschlägen in Folie eingeschweißte Kompaktkassetten herum. Augenscheinlich alte "Originale" aus den seligen Achtzigern, für die man auf dem Flohmarkt keine zehn Cent verlangen könnte... Auf der Folie klebt ein zugegeben witziger Text: "This is a found cassette tape! Rescued from the sands of time. Who knows what´s really on it?!"

Was auf der Rückseite klebt, ist der mehr als ambitionierte Preis für diesen Gag: zwölf Euro! Ähm... Wer, bitte schön, soll denn eigentlich die Zielgruppe sein? Und womit abspielen? Soll die Kassette überhaupt ernsthaft abgespielt werden?! Mit dem Smartphone geht das jedenfalls nicht. Von der streamenden Jugend dürfte übrigens kaum jemandem ´Nakamichi Dragon´ noch ein Begriff sein...




Zur Ehrenrettung dieses Ladens sei erwähnt, dass immerhin eine kleine Auswahl Vinyl angeboten wird - wie praktisch, dass es dazu auch gleich einen schrottig-billigen Einwegplattenspieler für 135 Euro zu erwerben gibt. Wenn man anfängt, sich über bestimmte Entwicklungen zu wundern, weiß man, dass man alt wird...



Montag, 10. Oktober 2016

AV 2A3M von Alesa Vaic Vacuum Technology (AVVT)

Über Alesa Vaic braucht man nicht viele Worte verlieren, seine Röhrenverstärker dürfte wohl jeder kennen. Der gute Alesa hat neben seinen Amps auch immer wieder Röhren produziert, die sich streng genommen an historischen Vorbildern orientierten - inklusive der Originalspezifikationen -, häufig jedoch belastbarer als die Originale waren (bzw. sind). In diesem Fall geht es um die bis 2001 produzierte AV 2A3M von AVVT (Alesa Vaic Vacuum Technology), welche eine sehr interessante, von mir bis dato gleichwohl unbeachtete Röhre ist (sie ist mir schlichtweg bisher nicht in die Finger gekommen).


Üblicherweise wird eine 2A3 mit 250 Volt Anodenspannung betrieben; RCA spezifiziert die 2A3 mit maximal zulässigen 300 Volt. Die AV 2A3M lässt hier sogar bis zu 450 Volt zu! Die daraus resultierende höhere (mögliche) Anodenverlustleistung ließe zu, aus dieser Röhre ca. 5,5 Watt Nennleistung heraus zu kitzeln - das empfiehlt sich aber nur, wenn das gesamte Amp-Setup entsprechend ausgelegt wird; ich würde solche "Spielereien" z.B. an einer Uchida sein lassen... (und wer braucht schon 5 Watt?!). 
Sei´s drum, sie kann ja auch ganz normal in den Standardspezifikationen betrieben werden und sicherlich kommt das der Lebensdauer zu Gute, welche von AVVT mit ohnehin schon ambitionierten 40.000 Betriebsstunden angegeben wurde! (So viel Musik werde ich den Rest meines Lebens sicherlich nicht mehr hören.)
 





Eine weitere Besonderheit dieser Röhre ist die Maschenanode (AV 2A3M; M für Mesh) anstatt des sonst üblichen Anodenblechs. Die Maschen sind aus Nickeldraht geflochten. Vergoldete Pins und eine Anti-Mikrophonie-Aufhängung runden das durchdachte Design dieser 2A3 ab. Ach ja: Streng genommen handelt es sich bei diesem Design sogar um eine Monoplate... Wer Interesse an dieser mittlerweile doch sehr seltenen Röhre hat, kann sich gerne bei mir per E-Mail melden, ich vermittele eine entsprechende Quelle. Ein oder zwei Pärchen sind wohl noch verfügbar.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Zu Besuch bei Analog Tube Audio

"Benzingespräche" - so werden wohl eher Treffen in lockerer Atmosphäre unter Oldtimerfreunden genannt. Mit Robert (Robert Graetke, Analog Tube Audio) führe ich hin und wieder auch solch lockere Gespräche, immer dann, wenn ich mal in seiner Nähe bin und die Zeit einen Abstecher erlaubt. Allerdings geht es dann nicht um alte Autos - aber auch nicht um (altes) Hifi, jedenfalls oft nur am Rande. Was schwer genug fällt, denn man muss schon aufpassen, bei ihm nicht irgendwo über eine Plattenspielerzarge zu stolpern...

Alte Garrards, Thorens-Dreher, Tonarme, Pick-ups und Röhren wohin das Auge blickt. So ganz kalt lässt einen dieser Anblick natürlich nicht und Optik/Haptik lassen mich dann doch hier und da rumfummeln. Zumal man als "Hifi-Normalo" relativ selten die Gelegenheit hat, z.B. tiefere Einblicke in den Aufbau verschiedenster Tonarme zu bekommen. Hier müssen neue Lager rein, da eine neue Innenverkabelung, dort eine Headshell angepasst werden, ach ja, und auf diese Zarge kommt noch eine Bronze-Grundplatte für den SME "Dreißichzwölfer"...

Roberts handwerkliche Fertigkeiten stehen für mich ohnehin völlig außer Frage. Mit seinen Drehbänken oder den selbst konstruierten/programmierten CNC-Fräsmaschinen hat er mir schon das eine oder andere Mal antike Erbstücke oder auch einen Photovoltaik-Wechselrichter "gerettet"; klar, Hifi geht auch, ein profaner eingesenkter Chassisausschnitt gelingt ihm natürlich ebenso perfekt, das hatten wir ausnahmsweise ja auch schon einmal... ;-) Und hätte ich einen Tonarm als Servicefall, ich würde ihn in Roberts Hände geben.









Eine neue Website hat ATA seit kurzer Zeit übrigens auch, sozusagen als Frischzellenkur, um dem weiteren Schwerpunkt Service & Reparatur von Tonarmen und Plattenspielern gerecht zu werden. Natürlich baut Robert auch immer noch Uchidas auf und repariert Röhrenverstärker!
:-)